Ausgleichsport


Vor einer Woche habe ich hier mit Hilfe meines neuen Spielzeugs von unterwegs einen launigen Kalauer rund um ABC Pfaster mit Cayennepfeffer zum Besten gegeben. Der ist hier nie angekommen. So viel zu Wunder der Technik und Äpfeln und so. War auch etwas bemüht. Zugegeben. Ich habe Heizpflaster für mich entdeckt und kann dieses Uralt Hausmittel nur wärmstens empfehlen (geht doch…). Das war schon alles. Es brennt, wenn man ins Schwimmbad geht, nachdem man das Pflaster acht Stunden auf der Haut hatte. Naja. War so ein Erlebnis.

Heute möchte ich beichten: Ich war nämlich wieder bei der Frau. Und das obwohl ich dem Okultischen abgeschworen hatte. Ich habe 45 Minuten zitternd auf dem Tisch gelegen. Duftöl, Leinentuch – Alles wie immer. Aber meine Muskeln in den Beinen haben 45 Minuten kleine Zuckungen von sich gegeben. Gespenstisch. Als sie die Hände dann auf mein Knie und unter meinen Rücken gelegt hat, bin ich eingeschlafen. Zack. Licht aus! Einfach so. 5 Minuten weg. Als ich wieder aufgewacht bin, hat sie natürlich gesagt, das das der gewünschte Effekt gewesen sei. Das meine Abwehrhaltung endlich überwunden sei. Das ich immer bis an einen Endpunkt gehen müsste um runter zu kommen. Jaaaaaaa. Deshalb laufe ich doch! Also, deshalb fehlt es mir doch so!

Sie hat einiges gerichtet, während ich da zuckend lag, sagt sie mir dann später. Gut. Klasse. War schön. Ist es die Aufmerksamkeit, die man da ungefiltert eine Stunde bekommt? Egal was, es macht glücklich. Es wirkt. Danach ist mir immer schwindelig. Das reicht als Effekt.

Nächste Woche kaufe ich mir ein neues Fahrrad. Eines mit funktionierenden Gängen und mit guten Bremsen. Für die Zeit nach der Salzwüste.

(Und hier schlagen wir jetzt den Bogen -> Pfeffer – Salz. ……….Naja. ….War ja Karneval….)

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Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Bedeutender.
Schwerwiegender.
Ist aber einfach ein stürmischer Herbsttag. Meine Mutter ist in Köln mit 4 1/2 Stunden eingelaufen, ihre Urkunde habe ich schon runtergeladen. Während sie durch die Strassen von Köln gelaufen ist, getragen von Stimmung, Stimmung und Stimmung, war ich zwei Stunden mit dem Hund im Feld unterwegs und bin schnell gegangen. Habe mit Gedanken gemacht über die verschiedenen Weidezaunsysteme, über das Leben auf dem Land und mich über ein blühendes Rapsfeld gewundert. Hatte das erste Mal in diesem Herbst kalte Wangen und eine rote Nase und zu Hause mehr Durst auf Tee als auf alkoholfreies Weizenbier.

Die Aufgeregtheit in Köln ist so weit weg, dass ich heute morgen noch nicht mal in Erwägung gezogen habe, den Lauf online mitzuverfolgen. Es hatte einfach nichts mehr mit mir zu tun. Der 4. Oktober ist noch nicht einmal mehr der Tag eines großen Scheiterns, er ist einfach nur ein Sonntag im Herbst. Mit Tee und Zeitung auf dem Sofa und später mit einem Tatort. Heute aus Köln.

Gestern war es wieder soweit:  bunter Schaumstoffgürtel, dicke Schaumstofffußmanchetten, neuer Schaumstoffhandschuhe warteten auf das Aqua-Jogging. Diesmal hatte ich Begleitung. Die Erwartungen waren hoch. Der erste Kurs war überfüllt und kam leider nicht an meine Erinnerungen heran. Natürlich war es anstrengend und in der Theorie konnte ich den Sinn der ganzen Sache sehr gut rechtfertigen. Die Praxis blieb demütigend. Volles Becken, giggelde Frauen, schlechte Musik. Naja. Die Begleiterinnen guckten dementsprechend sparsam. Fazit nach einer 3/4 Stunde:  „Also ich merke noch nichts.“

Na gut, ich habe auch keine Beine aus Wackelpudding, konzentriert trainiert habe ich durchaus. „Wollen wir den Nächsten Kurs auch noch mitmachen?“ . Gesagt getan. Nach fünf Minuten Pause ging es zurück ins Wasser. Diesmal waren wir zu fünft und die strenge Lehrerin stieg selbst mit ins Becken. Es war viel anspruchsvoller und auch fordernd. Mein Ziel war erreicht. Trotzdem blieb das Fazit meiner Begleitung nach einer weiteren 3/4 Stunde: „Also ich merke noch nichts.“.

Tja, und jetzt? Hatte sie nicht mehrere Wadenkrämpfe? Muss es immer wehtun? Gilt es sonst nicht? Ich habe sehr wohl gemerkt, wo die Muskeln fehlen (Bauch und Seite), habe sehr wohl ein angenehmes Erschöpfungsgefühl und einen gelösten Rücken. Das erstaunt mein Gegenüber: „Komisch, dabei bist du doch viel trainierter. Ich merke nichts.“Am nächsten Morgen gibt es die Fortsetzung „Also ich habe noch nicht mal Muskelkater.“ Da kann ich nur sagen „Ich auch nicht, Gott sei Dank.“

Was soll das? Gilt Sport nur wenn er einen Knall -Effekt hat? Muss es immer um Grenzüberschreitung gehen? Ist gewissenhafter Umgang mit dem eigene Körper so langweilig? Ich kann da ganz schwer gelassen bleiben und höre immer „Du faule, verweichlichte Antisportlerin.“

Heute war doch schon wieder Akupunktur. Diesmal habe ich mich bei den Wochen verzählt, nicht bei den Runden. Also gleich die Gelegenheit genutzt und um Wunderheilung gebeten:

Ich: Kann ich jeden Tag kommen?
Arzt: Nein.
Ich: Kann ich noch mal Spritzen bekommen?
Arzt: Nein.
Ich: Kann ich was anderes machen?
Arzt: Nein. Hier gilt wie so oft: Viel hilft nicht viel. Es darf sich keine Gewöhnung einstellen. Wir haben gerade mal die Hälfte. Kommen sie diese Woche noch zwei Mal. Machen sie Aqua-jogging, fahren sie Fahrrad. Tschüss, bis Übermorgen.
Ich: Manno.

Also gut. In der Stadt der Arbeitswoche habe ich jetzt Dienstags einen Kurs für Aqua-jogging rausgesucht und heute probiere ich Aqua-Cycling aus. Das macht der Brudersportverein meines Sportvereins und wir dürfen da auch hin. Mal gucken. Heute geht es, ich habe ja Urlaub. Ich bin gespannt – auf Fahrräder im Wasser, auf die Leute auf Fahrrädern im Wasser und auf den Effekt. Außerdem sind die Trainingsanzüge da.

Vorgestern sind wir 55 Km Fahrrad gefahren. Eine Odyssee. Das war mit Sicherheit Deutschlands schlechtest ausgeschilderter Fahrradweg. Mindestens 10 zusätzliche Km Verfahrerrei habe ich nicht mitgezählt. Die gelangweilte Dorfjugend findet es auch 2009 noch lustig Schilder zu verdrehen. Hallo? Haben die keine Spielkonsole? Das haben wir früher gemacht. Also bitte!

Ging oft querfeldein, oft steil bergauf, oft lang gegen den Wind. War toll! Geht immer leichter. Beim Fahrradfahren gilt nämlich doch: viel hilft viel.

Vorgestern waren das alte MTB und ich noch mal im Dorf hoch oben in den bergigen Wäldern. Google hat nachträglich 435 Höhenmeter auf 27 Km errechnet. Trotz Fotopausen war ich 10 Minuten schneller. Tata. Ob ich mit der Fotodokumentation unterwegs warm werde, weiß ich noch nicht. Das Ergebnis ist so mittel. 

Und schon sind wir beim eigentlichen Thema: Keine Veränderung beim nervenden Nerv, der sich in der Akupunktur-Pause dann doch entschieden hat auch nach Fahrradtouren zu meckern. Mir blieb also keine andere Wahl, ich musste einen Frustkauf tätigen. Jetzt geht’s schon besser.

Der Inhaber des Lauffachgeschäfts war soooo nett und aufmerksam und interessiert und positiv und über die Maßen kompetent und erfahren. Hoffentlich hält dieses alles-wird-gut-Gefühl noch etwas an – war ja teuer genug. Die Schuhe sind aber wirklich der Hammer, und natürlich eine wesentliche Verbesserung gegenüber meiner alten asics, denen man die 250 Km schon über Gebühr ansieht. Ist doch klar. Ausserdem hat sich herausgestellt, dass ein Neutralschuh nicht das Beste ist, für meinen Fuß und mehr Stabilität her muss. Jetzt steht er hier, der Superschuh der Supermarke Saucony, von der ich noch nie gehört habe. Wieder was gelernt. Wieder ein Stückchen weiter in den Sündenpfuhl hinabgerutscht. Wieder ein wissendes Lächeln mehr im Repertoire.

An Laufen ist aber auch heute noch nicht zu denken. Also nur eine Stunde Übungen auf der Matte.  Und weiter warten und radeln und warten. Man wird das schön, wenn‘ wieder geht!

Endlich mal wieder erschöpft und glücklich. Endlich mal wieder ohne Schmerzen an die Grenze gegangen. 65 Km auf dem Rad. Das ist absolutes Rekord-Neuland für mich. Alles drin im Glückspaket: Nudeln in der Pause, ekelhaften Kämpfen am Berg, Triumph auf dem Gipfel, Geschwindigkeitsrausch auf Waldwegen. Natürlich gibt es Einiges zu verbessern.

Die Zeit (natürlich) > Wir haben 5 Stunden im Sattel gesessen, mussten aber auf den Hund im Hundekorb Rücksicht nehmen. Für ihn haben wir auch viele, viele Pausen gemacht, und immer mal wieder kurze Strecken im Schritttempo eingeschoben, damit er laufen kann. Die Reisezeit erhöht sich deshalb auf 8 Stunden. 

Die Kleidung (hätte ich wissen können) > Eine 3/4 Hose ist Blödsinn, weil sich in der Kniekehle der Stoff zusammen knüllt. Wenn man schon eine extrem hochwertige, technisch ausgefeilte Hightech-Unterhose besitzt, dann sollte man ihr den Vortritt vor dem Baumwoll-Evergreen geben. 

Die Sitzposition (kurios) > Oder ist das normal, dass einem die Beine und Füße einschlafen? Ich scheine da irgendwas abzuklemmen, trotz Feminina Gel Sattel. 

Seid gestern besitze ich einen eigenen Helm und eine Mini-Klingel. Sehr praktisch für die Nordic-Walker-Strassensperren. Die Klingel, nicht der Helm. Noch nicht.

Jetzt lege ich mich glücklich und zufrieden ohne Gewissensbisse mit einem Flaschenbier und einer Riesenportion Wallnuss-Eis aufs Sofa zu Mann und Hund und gucke FC Bayern vs. Manchester United in der Glotze. Und morgen gibt es wieder Nadeln und Magnete in Bein und Rücken, damit die Kollegen auch bald wieder einen klitzekleinen Lauf aushalten.

Als ich das letzte Mal eine Fahrradtour gemacht habe, war an meinem Gepäckträger noch ein oranger Abstandshalter mit Katzenauge angebracht. Seid dieser Zeit habe ich das Fahrrad als reines Fortbewegungsgerät benutzt. Immer ging es darum irgendwo hin zu kommen, nie um den Weg als Ziel. Vor 12 Jahren hat mir mein damaliger Mitbewohner aus seinen Ersatzteilen ein Fahrrad zusammengebaut, das ich bis heute fahre. Mit diesem MTB habe ich früher versucht wie ein anachrchischer Fahrradkurrier durch die Hauptstadt zu heizen und war dann doch nur eine verschwitzte Studentin in der Vorlesung.

Gestern haben wir ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das alte MTB und ich haben aus reinen Trainingszwecken eine kleine Tour gemacht. In Sportklamotten, mit ausgeliehenem Helm und mit Wasserflasche im Rucksack. (Der Halter für die Flasche wurde mir irgendwann mal abgeschraubt). In einem 25 Km entfernten Dorf in den bergigen Wäldern ausserhalb der Stadt wurde ich vom Mann eingesammelt. Unterwegs war ich 1:37 h. Ob das viel ist, ob das langsam ist – keine Ahnung. Ich war kaputt, habe an den Steigungen kämpfen müssen, und beim Atmen mit unter viel Lärm gemacht. Was mir besonders gefällt: gestern keine Probleme an Bein oder Rücken, heute kein Muskelkater.

Ich muss sagen: schön war’s! Der Fahrradweg war zauberhaft, die Beine haben anders arbeiten müssen, die Geschwindigkeit hat viel Spaß gebracht. Das werde ich jetzt ausbauen, schließlich schreibt Herr Steffny:

„Allgemein zu Laufen und Schwimmtraining: Während Schwimmtraining zwar wie alle anderen Sportarten die allgemeine Ausdauer verbessert (Herzkreislauf, Atmung usw.), kann eine Schwimmeinheit allerdings kaum ein Lauftraining ersetzen, denn dafür ist es zu sportartunspezifisch. Es werden eben andere Muskelgruppen verwendet, oder die „Laufmuskeln“ anders verwendet. Radfahren liegt da schon etwas näher am Laufen.“

Vor der nächsten Tour sehe ich mich nach einem Getränkehalter und einem eigenen Helm um. Der Rucksack hat genervt und ist dann doch eher ein Relikt aus vergangenen Fahrradtour Zeiten gewesen.

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