Essen


Ein Wochenende ist um und ich war nicht laufen.

Nur wandern. Mit Rucksack und Stullen, bergauf und bergab. 3 1/2 Stunden im straffen Tempo mit Freunden und Hund durch atemberaubende Natur. Mit Schwitzen und auch mit aus der Puste sein. Irgendwann sogar mit schmerzenden Muskeln. Jetzt bin ich kaputt und müde. Jetzt setzte ich mich vor den Tatort und esse ein Eis. Keine Ahnung wie lang die Strecke war, keine Ahnung wie viele Meter hoch und runter es ging.

Schön war es.
Aber Sport war es nicht.

Es war ein Ausflug in unbekannte Gefilde. Morgen gehe ich wieder laufen. Die Laufklamotten sind alle gewaschen und werden jetzt in den Koffer gepackt. Morgen beginne ich mit dem Trainingsplan, der Komischerweise mit einem Ruhetag anfängt. Aber nicht mit mir! Da werde ich gleich am ersten Tag ungehorsam sein.

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Alles falsch gemacht. Kleines Brot gegessen wegen großem Hunger, neue 85% Jacke angezogen wegen 100% Sinnflut-Regen und dann einen sehr unerfreulichen Lauf hinter mich gebracht. Immer, immer, immer ziehe ich mich zu warm an. Ich verstehe das nicht. Ich werde jetzt einen Zettel an die 85% Jacke kleben „Achtung, zu warm!“. Sonst rennen ich das nächste Mal wieder mit hochgekrenpelten Ärmeln und offenem Reißverschluß  durch die Gegend. Und so ein kleines Brot kann sich ganz schön aufspielen im Magen. Dabei wollte der es nicht anders.

Der Hunger war da und ich wollte laufen. Und wenn ich Hunger habe, dann zählt eine große, bedrohliche, innere Uhr mit roten Digitalziffern im Sekundentakt rückwärts. Die Gedanken fokussieren immer mehr auf den niedrigen Energielevel und dulden keine Ablenkung. Bei Null explodiere ich. Es sei denn, ich esse was. Aus diesem Grund habe ich jetzt immer Vitalgebäck aus dem Discounter in der Tasche. Das hat schon die Ein oder Andere Eskalation verhindert. Heute nicht. Heute bin ich bockiger zurückgekommen, als ich losgelaufen bin. Heute gab es statt Entschleunigung, Brandbeschleunigung.

Und wann hört dieser Regen endlich auf. Das ist doch nicht mehr normal. An der Arbeit ist schon das Dach undicht. Und überall sind hellrote Nacktschnecken auf denen man ausrutscht. Das muss doch nicht sein. Kriegt man total schlecht aus dem Profil rausgekratzt. Auf mein Belohnungsbrot für hinterher habe ich keinen Bock mehr. Das rote Pesto sieht plötzlich aus wie Nacktschnecken-Mouse.