Glück


Neues Spiel neues Glück. Zurückgependelt an die Arbeit wollte ich hier dem Aqua-Sport eine zweite Chance geben. Diesmal habe ich mich von der Richtigkeit des Titels „Aqua-Jogging“ höchst selbst überzeugt. Die Skepsis blieb. Eine halbe Stunde vor Beginn habe ich deshalb schnell noch ein Paar Bahnen im Außenbecken gezogen. Sicher ist sicher. Über den Beckenrand lunzend, sehe ich sie schon: giggelnde und kichernde Frauen die sich bunte Schaumstoffwürste umbinden. Ich ahne Schlimmes…

Vor Ort entspannt sich das Bild etwas. Ich erblicke durchtrainierte Sportlerinnen, zwischen alibi Schwimmerinnen im Midi Bikini und die Mitglieder des WeightWatchers Ortsvereins. Aber alle wild entschlossen. Sie tragen drei verschiedene Schaumstoffkomponeten: Einen breiten Schaumstoffgürtel, Schaumstoff Fussmanschetten und kleine bunte Schaumstoffwürste in den Händen. Die amüsierten Blicke der restlichen Badebesucher sind ihnen sicher. Meine auch. Ich will nicht dazugehören! Das sieht echt Scheiße aus! Meinen Rest Stolz runterwürgend nästel ich verlegen an meinem Gürtel herum und prüfe immer wieder ob es bei mir genauso sitzt wie bei den anderen. Was mache ich hier?

Dann kommt sie: unser weiblicher russischer Drillsergant und auf einmal ist Ruhe. Es geht raus ins Außenbecken, was wir für uns allein haben. Sehr gut. Keine Zeugen. Alle zu Wasser! Zack! Zack! Ich gebe mich als Anfänger zu erkennen, sie zeigt mir die Grundhaltung, klopft mir auf die Schulter und schickt mich ins Wasser. Der Effekt ist verblüffend. Es ist tatsächlich möglich im Wasser aufrecht zu stehen und zu Laufen. Wenn man allerdings etwas schief steht oder läuft erleidet man Schiffbruch.

Es geht los. Laufen im Wasser ist wie eine Zeitlupenaufnahme bei der man sich live zusehen kann. Irre. Vom Beckenrand wird jede schnuddelde Tussi streng ermahnt, jedes Halbherzige Herumdümpeln mit einen scharfen schneller! mehr Spannung! abgestraft. Ahhh, das gefällt mir. Nach 10 Minuten Laufen kommt eine längere Einheit Gymnastik dazu, die es in sich hat. Es sind wieder alte Bekannte des Lauf-ABC. Super anstrengend im Wasser und nur möglich, wenn man sauber läuft und genug Spannung im Rumpf aufgebaut hat. Ansonsten spült es einen wie eine trudelnde Badeente nach oben und erntet einen vernichtenden Blick vom Beckenrand.  Den Abschluß machen Sprints im Wechsel mit Rückwärtslaufen. Großartig!

Verausgabung an der frischen Luft, die geliebten Bewegungsmuster, keinerlei Beschwerden mit Nerv und Rücken, plus die Gewissheit sinnvoll trainiert zu haben zaubern ein debiles Grinsen auf mein hochrotes Gesicht. Am Ende der 45 Minuten pumpe ich wie ein Maikäfer, habe Beine aus Wackelpudding und stammel meiner neuen Lieblingsbademeisterin Liebeserklärungen ins Ohr. Sie macht das Training leider nur Donnerstags, Dienstags sei eine Kollegin da. Nein, zu der will ich nicht. Aber ich kann Donnerstags gerne zwei Kurse hintereinander machen, jetzt ginge es drinnen weiter. Ach ja? Undeutlich nuschel ich was von Verabredung und nächstes Mal. Da verzichte ich dann auf die Bahnen im Vorfeld und gebe mir die Doppelpackung. Einen Tag danach zehre ich immer noch von dem grandiosem Gefühl nach meinem fordernden Lauf in der Schwerelosigkeit.

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Mein Ausflug aufs Land zum Aqua-cycling war sehr speziell! In letzter Minute stehen wir in Badeanzügen im Schwimmbad und blicken auf ein Becken voller, sagen wir einfach sehr großer Frauen. Alle Blicke auf uns. Alle Bewegungen frieren ein. Wir stören. Ähm, tschuldigng…. Wir sind aber doch richtig, oder? Heute ist doch Montag? Wir wurden doch eingeladen von einer Läuferin? Da ist sie ja. Gott sei Dank! Sie steht im Laufdress am Beckenrand, und turnt vor. Wir sollen ins Wasser. Husch! Husch! Im Wasser kein bekanntes Gesicht und – viel auffälliger – keine Fahrräder!

Was ist das denn hier?
Na, das CircleTraining im Wasser.
Aqua-Cycling?
Ne, ne. Zirkeltraining.

Ich suche den Blick meiner Begleiterin, sie guckt auf die Wasseroberfläche und murmelt was von verhört und schlechte Aussprache… Egal, wir sind hier. Jetzt wird mitgemacht. Zu Anton aus Tirol und Karneval Einheizer wie Hände zum Himmel und Rotes Pferd müssen wir im Wasser laufen, dehnen und hüpfen. Viele Elemente des Lauf ABCs entdecke ich wieder. Es macht Spaß und ist gar nicht so ohne. Wenn man es erst nimmt und sich bewegt. Viele der Frauen halten sich aber eher an das Prinzip einweichen, statt bewegen. Der klassische Trugschluss: Ich war ja da, es war also Sport. Beim nächsten Adipositas-Treffen aber auf dicke Hose machen. (Achtung Wortspiel) Nach 30 Minuten ist schon Schluss, schade. Wir müssen heute noch keine 2 Euro bezahlen, das war unser Schnupperkurs. Das Prinzip Lauf ABC im Wasser ist aber ausbaufähig. Ich hatte den Foto mit, habe mich aber nicht getraut Bilde zu machen. Mit den Frauen, wollte ich keinen Streit anfangen.

Bei der Trainingsanzug Probe im Anschluss ernten wir Stirnrunzeln. Egal. Gegen diese Anti Haltung verteidige ich auch unsere Wassergymnastik. Ich wollte meinen wunderbaren, alle Erwartungen übertreffenden Anzug gleich einpacken, was natürlich ein Fehler war.

Der muss doch noch zum Flockmeister. Siehst du denn nicht, das da noch nichts draufsteht?
Nö, nicht drauf geachtet. (Ich gehe ja auch zur Wassergymnastik)

(
seufz) Ich war übrigens gerade 1 1/2 Stunden laufen.
Na, das ist doch schön.

Natürlich höre ich hier einen Vorwurf, natürlich formuliere ich in Gedanken vernichtende, bösartige, scharfe, giftige Antworten- schaffe es aber mich zu zügeln, streichel den Anzug zum Abschied noch mal und gehe.

Ich war gestern übrigens 5 Stunden am Edersee wandern und habe mir mit meinem Mann danach eine ganze, frische Lachsforelle mit selbstgebackenem Brot und frischer, selbstgemachter Kräuterbutter geteilt. Und dann habe ich noch einen Award bekommen! Was der bedeutet und wo er herkommt habe allerdings nicht rausgefunden. Vielleicht kann mir das noch jemand erklären. Egal. Ich sage Danke Feronia fürs Aufmuntern und vergebe ihn schnell stellvertretend für meine treue Kommentatoren weiter an:

Hannes > weil bei ihm gerade alles Rosarot zu sein scheint.

Matthias > Weil er sich für uns Leser immer den A. aufreißt und den Foto mitschleppt.

Wenn ihr ihn auch schon habt, dann hat sich der Kreis eben hier geschlossen. Es ist eine rosa Herz mit Teddy – Egal, oder? Es ist jetzt eben so.



Irgendwann muss ich ja mal wieder anfangen zu laufen. Dieses Crosstraining ist kein wirklicher Ersatz. Außerdem ist im Trainingstagebuch jetzt alles ganz voll, weil Radfahren, Schwimmen und Krafttraining noch dazugekommen sind.
Ich muss ausprobieren ob es wieder geht, deshalb schleiche ich mich vorsichtig in den Park. Kleine Runde um den See. Nur mal gucken. Und dann zuckel ich da so rum und laufe und laufe und nichts passiert. Und irgendwann macht es „Plopp!“ im Kopf und ich verstehe, dass tatsächlich die Möglichkeit besteht, diesen ganzen Scheiß zu überwinden. Das es möglich sein wird, ohne die Bremse im Kopf zu Laufen. Das es möglich sein wird, die Maschine mal auszufahren ohne danach drei Wochen wieder alles zu reparieren. Und das schon bald. Weil ich merke, dass sich was grundlegendes verändert hat im Rücken. Warum auch immer. Aber ich weiß es. Und allein schon die Vorahnung auf einen Lauf ohne diese Angst zaubert ein fettes Grinsen in mein Gesicht. Und mit diesem fetten Grinsen zuckel ich weiter langsam durch den Park. Nur 6 Km dafür aber 45 Minuten. zuckel, zuckel.

Drei mal die Woche gehe ich jetzt immer zur Akupunktur und krieche in den Magnetring und am Ende wird es weg sein. Die Möglichkeit besteht und ich will das es Wirklichkeit wird. Und bist dahin vertreibe ich mir die Zeit mit Schwimmen und Radfahren und Kraftübungen. Und nächste Woche steige ich dann wieder in den Trainingsplan ein.

Auch schön. 500m Freistil, 500m Brust im 50m Becken macht viele Fünfen und viele Nullen. Mit dem Fahrad hin und zurück. Hatte schon ganz vergessen wie gut mir schwimmen gefällt. Und dann ging es auch noch so gut. Alles so wie früher. Meine Kondition gilt also auch für das Schwimmen. Das gefällt mir! Das wird ausgebaut. 

Das Freibad ist abgerockt. Dank Schwimmbrille ist mir leider nichts erspart geblieben: weder das Moos im Überlauf, noch die fehlenden Fließen, noch die alten Haargummis und Kaugummis auf dem Boden, Dixie Klos, satt reparierter Toiletten. Mein Gott ist die Stadt pleite. Egal. Dafür gab es auch tanzende Sonnenstrahlen auf dem Wasser, quitschende fünfjährige die Arschbomben vom Startblock machen, schüchterne Teenager mit der ersten Freundin am Beckenrand und die notorischen Querschwimmerinnen mit Blümchenbademütze. Freibad ist eine Zeitreise zurück in die Jugend. Immer riecht es nach Pommes. Immer schwimmen tote Wespe auf dem Wasser. Immer zerren Jungs kreischende Mädchen unter die kalte Dusche. 

Mir geht es richtig gut. Ausgepowert und absolut schmerzfrei. Mit diesem Ersatzprogramm kann ich sehr gut leben. Und im Wasser stört die Hitze so was von überhaupt nicht.

Es fällt mir schwer wach zu werden. Deshalb brauche ich morgens Musik mit energischer Botschaft. Sonst geht das nicht. Die Natur, die Stille, die Vögel – alles zu schön und viel zu idyllisch zum Aufwachen. 

Deshalb habe ich mir jetzt eine Laufen am Morgen Wiedergabeliste zusammengesammelt. Die geht so:

 

Mixtape für den Lauf am Morgen

Mixtape für den Lauf am Morgen

Ein sanfter Opener, dann eine energische Phase, die keinen Wiederspruch duldet, gefolgt von einer Reihe von Songs, die hoffentlich ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und einen gutgelaunt und erfrischt in den Tag entlassen, mit kleinen treibenden Unterbrechungen. Nachtrag: Ich habe es geschafft, einen iMix zu erstellen.

 

Meine Beine und meine Füße sind schwer und geschwollen. Einfach so, wegen der Hitze. Und das trotz Luft und Freiheit in Flip Flops. Deshalb sitze ich hier und bastel solche Sachen. Morgen möchte ich einen langen (und sehr gemütlichen) Lauf machen. Bis dahin lege ich jetzt mal die Füße hoch. Im wahrsten Sinne des Wortes.

5:45 Uhr. Tosender Lärm weckt mich. Die Müllabfuhr ist unter meinem Fenster.  Es hallt in den Treppenhäusern und rumpelt auf der Gasse. Ich ziehe mir kurz die Decke über den Kopf, doch dann erinnere ich mich an meinen Vorsatz. Ich will heute Morgen laufen.

Gestern war Montag und ich wollte den neuen Trainingsplan beginnen und laufen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Nach einem sehr heißen Tag habe ich zu Hause beim Salat schnippeln das Radio angemacht. Und da wurde – mit sehr ernster Stimme – verkündet, die Ozonwerte seien derart hoch, dass dringend von Sport abgeraten werde.

Der Beitrag war noch nicht abmoderriert, da war mein innerer Schweinehund schon am Kühlschrank und griff nach einem kühlen Bier. Zisch. Ahhhhhh. Schweren Herzens habe ich mich dann zu ihm auf den schattigen Balkon gesetzt, am Salat geknabbert und die Füße hochgelegt. Sicher ist sicher.

Womit wir wieder am nächsten Morgen wären. Immer 5:45 Uhr. Das Bier hat nichts Schlimmes angerichtet, ich kann tatsächlich aufstehen. 3 Glas Wasser, Klamotten an und los. Es ist schon wieder so schwül, deshalb habe keinen Appetit. Diesmal probiere ich es mit Musik. Das klappt. Die Standartrunde von ca. 9 Km laufe ich sogar 5 Minuten schneller. Es macht mir Spaß. Kein Gedanke an Zeitdruck, keine Hektik. Da werde ich mir doch mal eine Wiedergabeliste für die Morgenrunden zusammenstellen.

Ich habe sogar noch Zeit für Kaffe Frühstück. Und alles dank der Müllabfuhr. Die kommt leider nur alle 2 Wochen.  Ich werde es übermorgen  selber schaffen müssen.

Ein Wochenende ist um und ich war nicht laufen.

Nur wandern. Mit Rucksack und Stullen, bergauf und bergab. 3 1/2 Stunden im straffen Tempo mit Freunden und Hund durch atemberaubende Natur. Mit Schwitzen und auch mit aus der Puste sein. Irgendwann sogar mit schmerzenden Muskeln. Jetzt bin ich kaputt und müde. Jetzt setzte ich mich vor den Tatort und esse ein Eis. Keine Ahnung wie lang die Strecke war, keine Ahnung wie viele Meter hoch und runter es ging.

Schön war es.
Aber Sport war es nicht.

Es war ein Ausflug in unbekannte Gefilde. Morgen gehe ich wieder laufen. Die Laufklamotten sind alle gewaschen und werden jetzt in den Koffer gepackt. Morgen beginne ich mit dem Trainingsplan, der Komischerweise mit einem Ruhetag anfängt. Aber nicht mit mir! Da werde ich gleich am ersten Tag ungehorsam sein.

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