laufen mit Hund


So, dann wolln wir mal. Neues Jahr (fast) neues Glück. Hops in die Thermohose, Schuhe raus und ab die Post. In den Wald! In den Wald! Hund ist dabei. Mann ist dabei. Ich walke. Mann joggt. Hund stöbert und markiert. Und weil es nicht hilft, um den Brei herum zureden,  nenne ich das, was ich da mache jetzt beim Namen: Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.

Was soll das? Ist jetzt so. Es ist kein Wandern, es ist kein Spazierengehen. Ich gehe schnell, die Arme machen das, was sie beim Laufen auch machen würden, ich schwitze ein bisschen und mein Mann kann in seinem langsamen Tempo neben mit her joggen. Ich walke ohne Stöcke und trage dabei meine Laufklamotten. Das scheint eine Frechheit zu sein. Die Reaktionen sind wie immer: ablehnend. Gegrüßt wird nur mein Mann. Mein Hallo verhallt immer einsam im Wald. Ich bin das dicke doofe Kind. Das auszuhalten fällt mir verdammt schwer. Aber irgendwas ist ja immer. Läufer können auch scheiße sein.

Mein Ziel: irgendwann wieder 3-4x die Woche eine Stunde laufen zu können um den Kopf frei zu pusten, um runter zukommen um zu entspannen. Keine Zeiten, keine Kilometer. Mein Ziel für 2009 ist wieder Läufer sein. Auch wenn die manchmal scheiß arrogante W****er sind.

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Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Bedeutender.
Schwerwiegender.
Ist aber einfach ein stürmischer Herbsttag. Meine Mutter ist in Köln mit 4 1/2 Stunden eingelaufen, ihre Urkunde habe ich schon runtergeladen. Während sie durch die Strassen von Köln gelaufen ist, getragen von Stimmung, Stimmung und Stimmung, war ich zwei Stunden mit dem Hund im Feld unterwegs und bin schnell gegangen. Habe mit Gedanken gemacht über die verschiedenen Weidezaunsysteme, über das Leben auf dem Land und mich über ein blühendes Rapsfeld gewundert. Hatte das erste Mal in diesem Herbst kalte Wangen und eine rote Nase und zu Hause mehr Durst auf Tee als auf alkoholfreies Weizenbier.

Die Aufgeregtheit in Köln ist so weit weg, dass ich heute morgen noch nicht mal in Erwägung gezogen habe, den Lauf online mitzuverfolgen. Es hatte einfach nichts mehr mit mir zu tun. Der 4. Oktober ist noch nicht einmal mehr der Tag eines großen Scheiterns, er ist einfach nur ein Sonntag im Herbst. Mit Tee und Zeitung auf dem Sofa und später mit einem Tatort. Heute aus Köln.

Hab ich schon erzählt? Gestern  bin ich 52 Minuten am Stück gelaufen. Im Modus so langsam, dass der kleine Hund mit geschlossener Schnauze im versamelten Galopp mitlaufen konnte. Aber durchgelaufen. Auch ich mit geschlossener Schnauze, immer schön durch die Nase atmend. Ohne Probleme. War schön gewesen.

Heute morgen – immer noch ohne Probleme – kam die letzte Fuhre Nadeln in Rücken, Bein und Fuß. Das war’s. Und weil ich so beschwingt war, habe ich einen letzten Anlauf gewagt und die Frage gestellt.

Und jetzt? Was machen wir jetzt?

Das muss jetzt so zwei bis drei Monate wirken, bevor wir wissen ob es geholfen hat.

Ach, drei Monate? (meine Stimme wird brüchig)

Wir wissen ja nicht ob die Regenerationszeit ausgereicht hat.

Wissen wir nicht? Und laufen…?

Das sollte gehen. Immer schön bewusst und vorsichtig.

Hmm. Eigentlich wollte ich ja…  ich weiß natürlich, das das nicht mehr geht… Aber wenn jetzt alles langsam… (ich muß es fragen, ich weiß die Antwort, ich muss sie aber hören). Könnte ich so in einem Monat einen Halbmarathon laufen? So ganz ohne Ambitionen? (Oh Gott ist das peinlich! Das habe ich doch gerade nicht laut gesagt?)

Joooaaa, mein Gott. Müssen sie halt ausprobieren. In zwei Monaten kommen sie dann wieder und dann können sie ja mal erzählen.

Hm. (Eine neue Dimension von Scham durchspült mich.)

Da habe ich jetzt nicht mit gerechnet kurz – ganz kurz hat mein Hirn nach dem Stöckchen geschnappt. Nix da. Jetzt muß auch mal ein Lerneffekt einsetzten. Beim Verlassen der Praxis wird mir noch die Rechnung für die Magnetfeldtherapie in die Hand gedrückt. Schmerzen bei Lumbalgie. Hört sich süß an. Lumbalgie.

Die Anmeldung zum Marathon war das Geburtstagsgeschenk von meiner Mutter. Die Aufforderung zum gemeinsamen Trainieren hat mich gerührt. Es war ein Ansporn. Leider werde ich nicht mir ihr laufen können. Naja, eigentlich wäre ich das sowieso nicht –  an Ihre 4:18 h wäre ich ja niemals rangekommen.

Die nächste Ameldung werde ich selber in die Hand nehmen. Dann ist sie auch nicht so bedeutend.

Mein derzeitiges Lieblingslied ist „Heavy cross“ von The Gossip.

Die ersten 13 Sekunden treffen exakt meinen Zustand. Gespannt bis in die letzte Faser, fertig zum loslaufen. Aber es geht noch nicht los. Ich bin in einer Endlosschleife ohne die Erlösung bei 1:04. Da geht es endlich los. Da renn ich in Gedanken los. Aber auch nur da. Nach wie vor. Heute habe ich es nicht mehr ausgehalten und was sehr dämliches gemacht: Ich habe eine Schmerztablette vor dem Laufen genommen. Ich wollte endlich laufen! Verdammt noch mal. Heute morgen hätte ich meine gesamte Familie dafür verkauft. Heute Morgen war die Moral gaaaaanz unten.

Weil in dieser Welt aber nichts unentdeckt bleibt, habe ich gleich die Quittung bekommen. So klein und nichtig, das es richtig weh tut. Es hat nämlich überhaupt nichts gebracht außer eine Paracetamol mehr auf der Leber (oder wo auch immer). Ha ha. Ein kosmischer Witz. Super. Ich habe es nicht besser verdient. Nach 32 Minuten bergigem Waldlauf in extrem langsamen Tempo, ging’s wieder los. Wie immer. Mitten im Wald, allein mit Hund habe ich kurz überlegt ob es jetzt mal an der Zeit ist, sich hinzusetzten und zu heulen. War mir dann aber zu doof. Also bin ich zurück gegangen. walking / wandern / spazieren gehen – what ever. Scheiß ‚drauf.

Das kann es doch nicht sein! Ich platze! Kein scheiß. Ich platze, wenn das so bleibt. Für immer im Intro steckengeblieben und dann, nach einer Ewigkeit, implodiert. Tolle Aussichten. Der verdammte Arzt soll jetzt aus dem Urlaub zurückkommen und wieder seine Nadeln in Rücken und Bein reinstechen. Ich will nicht noch eine Woche warten. Ich will, will, will endlich bei 1:04 losrennen. Große Schritte, ruhiger Atem.

Was machen, mit dem angeschwitzten Morgen? Ich habe noch eine Stunde Übungen gemacht, mit extra Liegestütze. Danach war es immer noch nicht besser. Meine Ausstrahlung war so negativ, dass sich der Hund im Bad versteckt hat, ohne, das ich irgendetwas zu ihm gesagt hätte. Vielen Dank für den Spiegel.

Vor zwei Jahren habe ich meinem Mann einen Boxsack geschenkt. Das Monstrum hängt jetzt im Schlafzimmer und ist groß und schwer. Damals gab es dieses Boxset etwas günstiger, weil es einen Rocky Balboa Schriftzug trägt und Metro-Goldwyn-Mayer damit den letzten Rockyfilm promoted hat. Da steht also auch „It’s not over till it’s over“ drauf. Das hat mich nur noch wütender gemacht.

Deshalb habe ich mir erstmals die Hände bandagiert, die Boxhandschuhe angezogen und habe auf den bekloppten, besserwisserischen Sack eingedroschen. Sehr lange. Laut keuchend habe ich erst aufgehört, als der Hund mit fragendem Blick ins Zimmer gelunst hat. Offensichtlich war aus in Deckung gehen jetzt Mitleid geworden.

Auch gut. Wollte sowieso gerade duschen.
Hat aber Spaß gemacht. War nötig. Jetzt geht’s schon wieder ein bisschen besser.

Ein Wochenende ist um und ich war nicht laufen.

Nur wandern. Mit Rucksack und Stullen, bergauf und bergab. 3 1/2 Stunden im straffen Tempo mit Freunden und Hund durch atemberaubende Natur. Mit Schwitzen und auch mit aus der Puste sein. Irgendwann sogar mit schmerzenden Muskeln. Jetzt bin ich kaputt und müde. Jetzt setzte ich mich vor den Tatort und esse ein Eis. Keine Ahnung wie lang die Strecke war, keine Ahnung wie viele Meter hoch und runter es ging.

Schön war es.
Aber Sport war es nicht.

Es war ein Ausflug in unbekannte Gefilde. Morgen gehe ich wieder laufen. Die Laufklamotten sind alle gewaschen und werden jetzt in den Koffer gepackt. Morgen beginne ich mit dem Trainingsplan, der Komischerweise mit einem Ruhetag anfängt. Aber nicht mit mir! Da werde ich gleich am ersten Tag ungehorsam sein.

Weil das Naherholungsgebiet um die Ecke mich langweilt bin ich heute mit Mann und Hund auf dem Fahrrad raus aus der Stadt gefahren um im Wald zu laufen. Da wo andere Leute einen Kindersitz am Fahrrad haben, ist bei uns jetzt ein Hundekorb. Ist halt so. Die Symbolik ist mir klar und ich will nicht drüber reden…. Der Hund könnte sonst nicht mit wegen zu kurzer Beine. Und in der W 30 muss man nicht zwangsläufig schon Kinder haben. Es gibt ja noch die W 35. Die ist dafür auch noch gut. Zurück zum Fahrrad.

Fünf Kilometer raus aus der Stadt mit dem Fahrad sind prakatisch, weil man dann schon warm ist und gleich ein bisschen dehen kann. Der Wald ist super. Kühl und menschenleer. Nicht so ein hergerichteter Stadtwald wie ihn die fremde Stadt der Arbeitswoche hat. Ein Wald mit Rückefahrzeugen und Matsch und Holzstapeln am Rand und viel viel Platz. Ich bin kein Mensch für Ballungsgebiete, merke ich immer wieder. Da nehme ich gerne eine schwächelde Infrastruktur und ein mikriges Kulturangebot in kauf. Wenn ich aber nie die Spuren der Zivilisation aus dem Blickfeld bekomme, dann werde ich unruhig. Wir laufen zusammen durch den schattigen Wald und – ich bin fitter. Ja. Das muss hier mal gesagt werden! Vor 2 Monaten hat mir mein Mann auf 10 Km noch 5 Minuten abgenommen. Und das, ohne zu trainieren. Abgesehen vom Fussballspielen. Heute musste ich ihn den Berg raufziehen. Und das, obwohl ich so lange Pause gemacht habe nach dem Halbmarathon. Ach, ist das schön. Habe ich schon gesagt, das er noch in der M 20 startet? Vor lauter Übermut habe ich uns für den Stadtlauf nächsten Samstag angemeldet. Da kriege ich angeblich eine Packung, die sich gewaschen hat. Kann gut sein. Aber heute grinse ich.

Unterwegs waren wir zu Fuß ca. 7 Km und haben 45 Minuten gebraucht. Das kann aber auch etwas länger oder etwas kürzer gewesen sein. Wir waren ja schließlich im echten Wald, da kennt sich Google Earth nicht aus.

Nachdem ich gestern vor dem Schwimmbad stand, und nicht hinein konnte, weil ich die 10er Karte verloren habe und kein Geld dabei hatte, bin ich heute auf das Rad ausgewichen. Nach gründlichen Übungen auf der Matte sind wir aufgebrochen, der Hund und ich. Der Hund hat leider nur 19 cm kurze Beine, und stösst beim Fahrradfahren nach 5 Km an seine Leistungsgrenze. Ein Körbchen mag er nicht, also heißt das für mich: runter in den aller, aller kleinsten Gang schalten und schön langsam fahren. Ich will ja sowieso regenerieren. Das gleichmäßige leichte Treten hat was meditatives – sieht aber bestimmt total bekloppt aus. Egal. Nach 2 Stunden und 15 Km sind wir wieder zu Hause. Der Hund ist platt und schläft, mir tun die Handgelenke weh vom viele Bremsen müssen. Aber schön war’s gewesen. Neue Wege haben wir gefunden, schließlich will ich ja mit Erkundungen beginnen und die ewig gleichen Runden im Park vermeiden.

Die 10er Karte  fürs Bad ist, trotz Suchaufgebot, immer noch weg. Das ist sehr ärgerlich. Da waren noch 7 Eintritte drauf. Ich weiß, dass ich sie irgendwo hingelegt habe, wo sie ganz sicher ist. Spätestens in der Sommerpause des Hallenbads finde ich sie wieder. Soviel ist sicher.

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