mal nicht laufen


Es gab Tage an denen hat mich das Blog oben gehalten. Da habe ich Kommentare aufgesogen und mich daran festgehalten. Meine Erlebnisse habe ich sofort gepostet. Habe immer teilgenommen an den Abenteuern der 6-7 treuen Leser. Das war eine verrückte Zeit. Heute hat mich eine Jahresbilanzemail meines Blogproviders an meine Paraleelwelt erinnert.

Ein Jahr ist vergangen ohne regelmässige Beiträge, ohne Kommentare auf euren Seiten, ohne Teilhabe. Es ist viel passiert. Die Prioritäten haben sich derart schnell verschoben, dass ich zeitweise nur noch reagieren konnte. Nicht selber gestalten. Das Laufen wurde ganz unwichtig. Die Termine beim Ortophäden waren nebensächlich. Erst jetzt merke ich, wie gesund das eigentlich war.Das Bein ist fast ruhig, der Rücken schmerzt wie ein Rücken von Schreibtischtätern eben schmerzt. Normale Härte.

Im letzten Jahr galt es Menchen zu vermissen, die gestorben sind, neue Aufgaben zu bestehen, ein neues Leben zu beginnen und viel zu Arbeiten. Ich habe mit Mann und Hund und vielen Helfern ein Haus saniert in dem wir jetzt wohnen. Auf dem Land. Hier kann man irgedwann auch wunderbar Radfahren und laufen.

Ich wünsche Euch allen Gesundheit, Glück und Gelassenheit für das neue Jahr!!! Mögen alle Vorhaben in Erfüllung gehen, seien es zeitliche Schallmauern, beruflich motivierte Umzüge, gesundheitliche Blitzgenesungen oder oder oder!

Alles Gute liebe Menschen da draussen!

Advertisements

Meine derzeitige Wochenkilometer liegen bei 870 km. Nicht mit den Füßen, nicht mit dem Rad und ohne Wasser. Ich pendel mit der bahn. Generation ICE sagt man neuerdings. Arbeiten im südlichen Ballungsgebiet, leben im strukturschwachen Norden. Bis her ist mir der Sport trotzdem gelungen, zweimal pro Woche mindestens. Zur Zeit geht es nicht, mir fehlen 3 Stunden pro Tag. Scheiß Akkupunktur bedeutet erst um 12 am Arbeitsplatz zu sein, bedeutet Nachtschicht, bedeutet keine Bewegung bedeutet Stagnation weil der Rücken Sitzen nicht mag.

Einerseits bin ich extrem mobil, fahre dreimal die Woche hin und her, andererseits verdammt mich das zur Sitzstarre. Teufel Zivilisation. Ich hab noch nie mit meinem Mann in ein und derselben Stadt gearbeitet. Ich sehe die älteren Pendler mit ihren Plautzen und Augenringen und der grauen klimaanlagenluft und will nur noch wegrennen. Guck ich auch schon so abgelöscht?

Was man an Zeit und Energie sparen könnte, würde Erwerbsarbeit dezentral organisiert… Noch drei mal Akkupunktur, dann sind wieder wertvolle Stunden zurückerobert. Und am Wochenende einmal mit dem neuen Rad in den Wald.

Ist das heiß! War das gestern heiß!

Das habe ich aber erst gemerkt als ich schon auf dem Fahrrad saß. Zu spät. Ich wollte eigentlich einen Rundkurs fahren. Eigentlich. Nach kurzer Erfrischugspause, wollte ich auf einer kürzeren und flacheren Strecke zurück fahren. Wollte ich – ging aber nicht. Nach 30 Km und zwei Stunden war ich platt. Nix ging mehr. Ich musste notgedrungen für den Rückweg zum Mann ins Auto steigen.

+652 m / -467 m / net 185 m / 32°/ 2:00:00 / 30 km

Die Berge waren zu steil, die Hitze zu stark und ich schlapp wie ein nasser Waschlappen. Gestern ging nichts. Keine Kraft nirgens. Mein Körper hat mal laut und kräftig seine Grenze aufgezeigt. Ich habe auch nur Leitungswasser in in reingefüllt. Das nächste mal nehme ich dann doch mal dieses POWER GEL aus dem Halbmarathon Beutel mit. Mein altes MTB ist tapfer und trägt mich überall hin. Die Schaltung verstellt sich immer wieder, die Bremse schleift und ab und zu knackt es irgendwo. Deshalb fahre ich bergab immer sehr besonnen. Das „Achtung Schulkinder“ Zeitmessding hat bergab in einem Dorf 32 Km/h gemessen. Das ist mir glaub ich schon zu schnell. Früher war mir das alles egal, heute stelle ich mir Risse im Rahmen vor, brechende Schrauben, sich lösende Schnellspanner… Wenn ich das Fahrradfahren ausbauen möchte, muss ich mir über eine Investition Gedanken machen.

Heute morgen habe ich vor der Hitzelähmung meine Übungsstunde gemacht und dann ein längst geplantes Vorhaben in die Tat umgesetzt: Ich war bei der Fußpflege. Füße durchgucken lassen. Die sahen aus…

Kaum saß ich auf dem Spezialsessel frage die überaus sympathische Podologin ob ich laufe. Die Füße würde so aussehen. Ihre hätten früher auch so ausgesehen, sie sei zahlreiche Marathons gelaufen. Und los ging’s. Jetzt weiß ich, worauf man laufspezifische bei der Fußpflege achten sollte und habe noch ein paar Streckentips und Trainingsvorschläge in meiner Stadt. Meine Füße sind endlich wieder herzeigbar, top in Form gebracht und einbalsamiert mit Rosmarin / Lavendel Gel. Da kann jetzt nichts mehr einschneiden, zwicken oder  scheuern. War eine günstigere Investition als ein neues Fahrrad.

P1040246

das ist nachher, vorher zeige ich nicht.

Mein Ausflug aufs Land zum Aqua-cycling war sehr speziell! In letzter Minute stehen wir in Badeanzügen im Schwimmbad und blicken auf ein Becken voller, sagen wir einfach sehr großer Frauen. Alle Blicke auf uns. Alle Bewegungen frieren ein. Wir stören. Ähm, tschuldigng…. Wir sind aber doch richtig, oder? Heute ist doch Montag? Wir wurden doch eingeladen von einer Läuferin? Da ist sie ja. Gott sei Dank! Sie steht im Laufdress am Beckenrand, und turnt vor. Wir sollen ins Wasser. Husch! Husch! Im Wasser kein bekanntes Gesicht und – viel auffälliger – keine Fahrräder!

Was ist das denn hier?
Na, das CircleTraining im Wasser.
Aqua-Cycling?
Ne, ne. Zirkeltraining.

Ich suche den Blick meiner Begleiterin, sie guckt auf die Wasseroberfläche und murmelt was von verhört und schlechte Aussprache… Egal, wir sind hier. Jetzt wird mitgemacht. Zu Anton aus Tirol und Karneval Einheizer wie Hände zum Himmel und Rotes Pferd müssen wir im Wasser laufen, dehnen und hüpfen. Viele Elemente des Lauf ABCs entdecke ich wieder. Es macht Spaß und ist gar nicht so ohne. Wenn man es erst nimmt und sich bewegt. Viele der Frauen halten sich aber eher an das Prinzip einweichen, statt bewegen. Der klassische Trugschluss: Ich war ja da, es war also Sport. Beim nächsten Adipositas-Treffen aber auf dicke Hose machen. (Achtung Wortspiel) Nach 30 Minuten ist schon Schluss, schade. Wir müssen heute noch keine 2 Euro bezahlen, das war unser Schnupperkurs. Das Prinzip Lauf ABC im Wasser ist aber ausbaufähig. Ich hatte den Foto mit, habe mich aber nicht getraut Bilde zu machen. Mit den Frauen, wollte ich keinen Streit anfangen.

Bei der Trainingsanzug Probe im Anschluss ernten wir Stirnrunzeln. Egal. Gegen diese Anti Haltung verteidige ich auch unsere Wassergymnastik. Ich wollte meinen wunderbaren, alle Erwartungen übertreffenden Anzug gleich einpacken, was natürlich ein Fehler war.

Der muss doch noch zum Flockmeister. Siehst du denn nicht, das da noch nichts draufsteht?
Nö, nicht drauf geachtet. (Ich gehe ja auch zur Wassergymnastik)

(
seufz) Ich war übrigens gerade 1 1/2 Stunden laufen.
Na, das ist doch schön.

Natürlich höre ich hier einen Vorwurf, natürlich formuliere ich in Gedanken vernichtende, bösartige, scharfe, giftige Antworten- schaffe es aber mich zu zügeln, streichel den Anzug zum Abschied noch mal und gehe.

Ich war gestern übrigens 5 Stunden am Edersee wandern und habe mir mit meinem Mann danach eine ganze, frische Lachsforelle mit selbstgebackenem Brot und frischer, selbstgemachter Kräuterbutter geteilt. Und dann habe ich noch einen Award bekommen! Was der bedeutet und wo er herkommt habe allerdings nicht rausgefunden. Vielleicht kann mir das noch jemand erklären. Egal. Ich sage Danke Feronia fürs Aufmuntern und vergebe ihn schnell stellvertretend für meine treue Kommentatoren weiter an:

Hannes > weil bei ihm gerade alles Rosarot zu sein scheint.

Matthias > Weil er sich für uns Leser immer den A. aufreißt und den Foto mitschleppt.

Wenn ihr ihn auch schon habt, dann hat sich der Kreis eben hier geschlossen. Es ist eine rosa Herz mit Teddy – Egal, oder? Es ist jetzt eben so.



Zwei Tage früher als geplant sitze ich wieder zu Hause. Eigentlich schade. Vier Tage Wanderung liegen hinter uns. Ungefähr 85 Km insgesamt, pro Tag zwischen 400 und 1000 Höhenmetern mit ca. 20 Kg schwere Rucksäcke und schwere Wanderschuhe. Das Ergebnis: nur eine Blase, nur ein blauer Zehennagel aber steinharte Krampfwaden. Es war wunderbar. Aber warum sind wir dann schon wieder hier? Die letzten Tagen lassen ein schales Gefühl zurück. Vier Leute haben es nicht geschafft sich aufeinander einzulassen. So kam was kommen musste: Ehrgeiz und Größenwahn trafen auf das Bedürfnis sich in Mutter Natur einfach treiben zu lassen. Klare Ansagen standen gegeneinander und der Stärkere (hier schnellere) hat sich durchgesetzt. 

 

In einem ersten Kaftakt musste die Kilometervorgabe von 30 Km auf 20 Km runterdiskutiert werden.  Mein Hauptargument, dass wir ja 5 Tage in Folge wandern wollen, und unsere Kräfte einteilen müssen, war ein Rohrkrepierer. Die Kilometer Diskussion tauchte jeden Tag in neuem Gewand wieder auf. Sei es durch ein Wahnsinnstempo, was dazu führte, das wir um 14.00 Uhr schon 20 Km gelaufen waren und ja nun auch weiter laufen könnten oder durch Sticheleien nach 20 Minuten Pause oder durch die Androhung abzureisen. Das wir als Ergebnis alle Krämpfe hatten war ja egal. Alles sehr unerfreulich und das Gegenteil von entspannt. Ich habe mich bereits nach dem zweiten Tag, der mich mit 23 Km und fast 1000 Höhenmetern wirklich fertig gemacht hat dazu entschlossen immer STOP zu sagen. Aber wenn der Satz „Nein, ich kann nicht weiter laufen.“ Im Wald verhallt, dann stimmt im Gruppendynamischen Prozess etwas Entscheidendes nicht. Erst recht nicht, wenn sich herausstellt, dass es mir im Vergleich noch gut geht.

Ich habe durchaus einen sportlichen Ehrgeiz und bin gerne bereit mich zu quälen. Aber Zeit und Ort bestimme ich. Mit meinen Freunden möchte ich eine gute Zeit haben und mich nicht mit Ihnen auf Deutschlands bekanntesten Höhenweg duellieren. Statt Abstand vom Tunelblick auf den Marathon fand ich mich plötzlich in einem Lauftreff Horrorszenario wieder.

„Los komm, ich denke du hast Ehrgeiz.“

„Na, da sehe ich schwarz für den Marathon.“

„ich könnte noch 20 Km laufen, aber dann nicht so langsam wie heute Vormittag.“

Da nützt es mir wenig, wenn sich meine Kassandrarufe vom Maßhalten bewahrheiten und wir 2 Tage früher als geplant abbrechen. (Was natürlich kein Abbruch ist, sondern der Langeweile geschuldet ist und schon immer so geplant war). Wir haben kurz überlegt, alleine weiterzulaufen und uns noch 2 Tage eine gute Zeit zu machen – haben uns dann aber dazu entschlossen den Rest des Weges noch einmal frisch und entspannt ALLEINE in Angriff zu nehmen. Vorausschauend, Langsam und ohne Hast. Fisch ist Fisch und Fleisch ist Fleisch. Manchmal ist es nötig penibel und genau zu klären, was genau „Wir lassen das alles mal entspannt auf uns zu kommen.“ bedeutet. 

Der Rennsteig hat auf jeden Fall eine zweites Mal verdient. Einmal bis zum Ende werden wir noch laufen. Ein absolut empfehlenswertes Abenteuer und die perfekte Zivilisationsflucht. Nur Wal und Hütten und Wegzeichen an Bäumen und kleine grüne Holzschilder, Ausblicke über Nebelverhangene Täler, Schutzhütten und kleine Berggasthöfe, die nur von Wanderern besucht werden – das Alles ist sehr sehr schön. Das nächste Mal nimmt jeder noch eine dritte Wasserflasche mit, weil der Höhenweg keine Bäche unterwegs kennt, lassen Schlafsack und Isomatte zu Hause, weil die Berggasthöfe so uuuunglaublich einladend sind und nehmen dann doch einen Wanderstock für die Bergabstrecken auf Geröllschotter zur Hand (Aua Aua!).

Das wird noch mal gemacht. Treiben lassen können wir besser. Bis dahin „Gut Runst!“

Jetzt begebe ich mich mal auf die Suche nach meinem Humor.

Für eine kurze Woche verabschiede ich mich. Wir wandern mit Gepäck von Eisenach auf dem Rennsteig bis – ja bis wohin? Das wird sich in sechs Tagen herausgestellt haben. Die gesamte Strecke werden wir nicht schaffen, das ist klar. Vor 20 Jahren bin ich als Pfadfinderin das letzte Mal mit Gepäck gewandert – wir werden sehen was meine Schultern noch erinnern.

In den nächsten Tagen werde ich in Schutzhütten schlafen, Nudeln mit Pesto und Nudeln mit Pesto und Nudel mit Pesto essen, schwere Wanderschuhe tragen und in den Wald pinkeln. Auf Wiedersehen in sechs Tagen.

Diese Prozedur habe ich acht Mal hinter mich gebracht. In zwei Wochen geht es weiter. Insgesamt sollen 15 Abwendungen gemacht werden. Fahrradfahren macht keine Probleme, auch nicht nach extremer Belastung. Morgen versuche ich mich an einer kleinen Laufrunde. Das Problem ist die Erschütterung beim Laufen. Mal sehen, ob der Nerv die jetzt schon erträgt.

Nächste Seite »