Nervosität


Gut das ich hingegangen bin. Ich habe tatsächlich etwas Klarheit. Mein Rücken ist in Ordnung. Der Nerv ist aber nach wie vor gereizt.
Deshalb gibt es jetzt 3x die Woche Akkupunktur und pulsierende Magnetfelder. Dazu eine Woche Trainingspause. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es darum, Ruhe in den Nerv zu bekommen. Der funkt wo es nichts zu funken gibt. Die Behebung der Ruhestörung muss von innen heraus geschehen. Erstmal mit Nadeln und Magneten. Von mit aus.

Eine halbe Stunde liege ich mit geschätzden 20 Nadeln in Rücken und Knie, in einem kleinen Kämmerlein, die Beine durch einen großen Ring gestreckt. Und nichts passiert. Für einen effektverliebten Menschen wie mich, sehr schwer zu ertragen.  Aber: bereits nach der ersten Sitzung war für ein paar Stunden Ruhe im Puff. Kein Druck, kein Kribbeln im Bein. Wenn es hilft, bin ich bereit an den Weihnachtsmann, den Osterhasen und den Klapperstorch zu glauben. 

Laufen ist kein Teufelszeug. Ich darf Schwimmen und in einer Woche weiter trainieren. Und: seid meinem letzten besuch ist der Rücken, der eigentliche Verursacher dieser Misere, besser geworden. Hier geht es also um Nachwehen. Die kriege ich auch noch in den Griff.

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Morgen, viertel vor zehn habe ich einen Termin bei dem Sportorthopäden meines Vertrauens. Seid dem doofen Lauf, ist nichts besser geworden. Wahrscheinlich bin ich wieder schief. Und weil mich das jetzt wirklich ankotzt, muss noch mal jemand gucken, der sich damit auskennt. Ich habe soviel Tipps und Ratschläge und selbst gemachte Erfahrungen angesammelt, dass ich den Überblick verloren habe. Ich will neue Physio und eine klare Ansage. Kann ich auf Dauer was kaputtmachen? Gibt es die Chance diesen zwei schritte vor, einen zurück Zustand zu überwinden? Ja oder nein. Mit meinem Latein bin ich am Ende. Gestern haben 8 Km Hundespaziergang fast den gleichen Effekt gehabt, wie der HM. Trotz Übungen, aufwärmen, Wärmesalbe. 

Während ich das hier schreibe, weht ein kühler Abendwind, die Sonne ist weg – perfekt. Um mich abzulenken habe ich aufgeräumt und – tatataaaaa meine 10er Karte für das Hallenbad wiedergefunden. Natürlich ist jetzt Sommerpause. Morgen Mittag werde ich wissen, ob es Sinn macht sich eine für das Freibad zu kaufen. Bis dahin, versuche ich mein Umfeld nicht in den Wahnsinn zu treiben. Unausgeglichen ist gar ein Ausdruck.

Samstag Nachmittag mitten in der Fußgängerzone in Laufklamotten stehen ist komisch. Zwischen den normalen Einkäufern fühle ich mich unangezogen und sehr unwohl. So ist das also bei einem Straßenrennen. Hm. Ich weiß nicht ob ich das mag. Da kann auch das Kuchenzelt nichts rausreißen, trotz Waffeln. Ich bin nervös. Ich soll ja heute die Antwort auf unseren Waldlauf des letzten Wochenendes bekommen. Die Lockerheit geht mir immer mehr verloren. Ich schaffe es nicht die scherzhafte Pseudo-Wettkampfsituation zwischen uns aufrechtzuerhalten. Der Humor hat sich verabschiedet als ich die Startnummer angepinnt habe. Ich merke, wie langsam die Bundesjugendspiel-Mentalität Oberhand gewinnt. So stehen wir da, zwischen Flatterbändern auf den Strassenbahnschienen, angeglotzt von Leuten mit großen Einkaufstüten, beschallt von schlechtem Dancefloor und warten auf den Start. Och ne, Volkslauf ist schöner in der Pampa. 

7 Runden im Kreis macht 10 Km, los geht es. Ich erblicke ein paar bekannte Gesichter und suche mir eine Läuferin aus, an die ich mich halten werde. Sie läuft ein gutes Tempo, sehr gleichmäßig und ruhig. Mein Mann ist nach 5 Minuten weg. Soll er. Ich weiß nicht wie das hier wird. Ich komme mir vor wie auf einem Blindflug. Komisch. Die erste Runde ist schnell geschafft, die Leute puschen, die Musik lenkt ab. Ich kriege aber kein Gefühl für das Tempo. Um mich herum klagen immer mehr Läufer, sie seien zu schnell losgelaufen. Alle scheinen sich Rundenzeiten ausgerechnet zu haben oder laufen mit Pulsuhr.Wir werden überrundet und überrunden selbst. Ich bin total orientierungslos. Die Frau vor mir läuft wie ein Moped, ich hinterher. Runde um Runde. Langsam geht mir auf, dass es keinen Getränkestand gibt. Deshalb laufen viele mit Gürtel. Kurzzeitig schiebe ich Panik. Kein Wasser! Oh Gott, kein Wasser! Irgendwie komme ich wieder runter. Vielleicht weil ich keinen Durst habe? Es ist kühl, Regenwolken hängen über der Stadt. Man muß jetzt nichts trinken. Vor allem nicht, wenn man den ganzen Tag über schon 3 Liter Wasser in sich hineinlaufen lassen hat. Ich bin so eine Drama Queen. 

Nach 35 Minuten fällt mir auf, daß ich die Runden nicht mitgezählt habe. Scheiße. Wie peinlich. Ich fasse mir ein Herz und frage die Frau, hinter der ich die ganze Zeit klebe. Sie lacht mich an und gesteht, dass sie auch durcheinander gekommen sei und sie gerade ihr erstes Rennen laufe. Krass! Sie läuft so rutiniert und ruhig und gelassen. Kompliment! Allerdings sind wir keinen Schritt weiter. Wir überschlagen unsere Zeiten und beschließen noch zwei Runden zu laufen. Alle 5 Minuten fragte Eine „bist du sicher?“ worauf die Andere immer antwortet „Nicht wirklich.“ Egal. Wir passieren das Ziel und neben uns läuft die schnellste Frau ein. Kommt das hin? Nur noch eine Runde? Ich bin aber doch noch so fit? Wir beschließen alles auf eine Karte zu setzten und das Tempo nochmal anzuziehen. Ich biete an, mal nach vorne zu gehen. Es ist starker Wind, ich habe mich hinter ihr ja schonen können. Wir legen noch einen Zahn zu. Es macht Spaß und tut nicht weh. In diesem Tempo würde ich bis ins Ziel kommen, für eine weitere Runde reicht es aber nicht. Egal. Dann ist das so. Der Zweifel nagt und nagt. Entweder wir sind sehr gut in der Zeit, oder richtig schlecht. Egal, weiter. Wir reihen uns in den Zieleinlauf-Flatterband-Kanal und rennen ins Ziel. „Haben wir genug Runden?“ „Weitergehen“ „Nicht stehenbleiben“. Beim Getränkestand denke ich daran meine Uhr zu stoppen. 54 Minuten. Es kommt hin. Allerdings müsste ich eine neue Bestzeit gelaufen sein. Wir müssen über unser Dummheit lachen, tauschen Handnummern und halten die Klappe. Mein Mann hat es übrigens geschafft. Er war schneller. 49:39 Minuten – die Scharte ist ausgewetzt. 

Nach der Dusche suchen wir in den auslegenden Urkundenstapeln nach unseren Namen. Für mich gibt es keine. Also doch verzählt. So was dämliches. Wie peinlich…. Zum Trost will ich eine Waffel kaufen, die sind aber alle. Wenn es läuft, dann läuft es. Auf der aushängenden Ergebnisliste stehe ich aber drauf. Oh. 3. Platz in der AK. Ich bekomme meine Urkunde auf der Siegerehrung mit einem Handtuch. Meine neue Bestzeit lautet 52:43. Und das ohne Quälerei, ohne Schmerzen mit Spaß und Quatsch. Eigentlich habe ich gewonnen. Und er. Wir grinsen beide.

Eine innere Unruhe treibt mich ins Netzt. Was tun? Was kommt jetzt? Wie erholen? Womit? Wie lange? Ich suche und suche, ich lese und lese . Zwölf Tage nach dem Halbmarathon sollten Sie kein Tempotraining durchführen, keine neue Wettkampfbelastung auf sich nehmen und eher locker trainieren. Formuliert hat diese Regel Jack Foster, der von 1974 bis 1990 die weltbeste Marathonzeit (2:11:18) im Masters-Bereich (40 Jahre und älter) zu Buche stehen hatte. So steht es auf Runner’s World, an anderer Stelle heißt es für jeden Kilometer einen halben Tag Regeneration. Ich werde unruhig. So lange? Die Aussicht macht mich unglücklich. Warum nur? Ich habe es doch gemerkt. Mein Körper braucht Pause. Da kommt sie langsam – die Erkenntnis. Ich kann nicht Maß halten. Ich will nicht ein Bonbon, ich will die ganze Tüte. Das ist schon immer mein Problem gewesen. 0 oder 100. An oder Aus. Kein Bier oder 6 Bier. Nicht ausgehen oder bis 6.00h. 

Mein Verstand hat durchaus sämtliche Informationen parat. Ich weiß, dass ich mindestens eine Woche nicht laufen sollte. Ich weiß, dass ich nicht innerhalb von 3 Monaten ausreichend Ausdauer und Kraft aufbauen kann. Ich weiß es alles. Aber die Unruhe ist stärker als der Verstand. So schaue ich mir dabei zu, wie alles kaputt zu gehen droht. Immer mal wieder. 

Die nächsten 12 Tage nutze ich jetzt für lange Hundespaziergänge, zum Schwimmen, zum Übungen machen und irgendwann,  in einer Woche, auch mal für einen gemütlichen Lauf. Den Anstoß habe ich in meinem Blog bekommen. Vielen Dank an Euch, die ihr mir den Kopf gerade gerückt habt.

Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich so lange Freunde haben werde an meinen Mitbringseln aus der großen Stadt. 5 der 6 Blasen sind einfach vertrocknet und verschwunden. Eine hat sich mehrmals wieder wundgescheuert. Immer dann, wenn ich ein Blasenpflaster vergessen habe. Deshalb habe ich gestern Nachschub gekauft. Ohne mich vorher in der Laufbloggemeinde umzusehen. Dann hätte ich gewusst, das die aus dem Discounter nichts taugen. Ganz so schlimm wie hier ist es bei mir nicht. Mein Pflaster hält einfach nicht lange. Genau genommen nur bis zum Socken wieder ausziehen. Spätestens dann sieht es aus wie eine tote Qualle. Und das bereits nach dem ich nur 30 Minuten super gemütlich die letzten Kilometer der HM Strecke abgelaufen bin. Das Pflaster hat nichts verschlimmert und den Druckschmerz weggezaubert. Aber auf der Packung steht etwas von mehreren Tagen drauf lassen – wie das gehen soll, ist mir ein Rätsel. Es sei denn man hat Füße mit völlig geraden und faltenfreien Stellen. 

Auf meinem kurzen Erkundungslauf habe ich ganz viele Läufer im gleichen Zuckeltempo getroffen. Die werde sicher am Sonntag auch laufen. Bis dahin rate ich der letzten Blase dringend, ebenfalls eingetrocknet zu sein.

Nach dem Wettrennen am 1. Mai hatte ich einen soliden Muskelkater. Wahrscheinlich habe ich mich nicht ausrechend ausgelaufen. Gestern war eine Stunde mit Hunden und netter Läuferin im Wald geplant. Es hat gegossen wie aus Kübeln. Hilft ja nichts. Ärmelchen wieder dran an die Westen und los. Die Suppe tropft von der Schirmmütze, die Hunde lassen die Ohren hängen, die Füsse sind nass. Im Knie zieht es ab und zu. Das Bergab Temporennen ruft sich in Erinnerung. Das hat dem Rücken nicht gefallen. Zwischendurch bleibe ich mehrmals stehen und dehne, das hilft. Wir sprechen über den HM. Wie soll ich die Woche gestalten. Der Plan sagt 3 x kleine Mini Einheiten. Sie fährt einmal Rad. Hat aber jedes Mal wenn ich 10 Km Rennen gelaufen bin ein 20 km Rennen gemacht. Ob ich Schwimmen gehe? Eine meiner Blasen ist gestern noch Mal wundgescheuert worden. Jetzt laufe ich barfuß in Flip Flops. Das hilft bei mir am Besten: Luft Luft Luft. Wenn ich die drei Minieinheiten mache, kann die nicht abheilen. Chlorwasser würde sie aufweichen. Ei Ei Ei. erstmal beruhigen….

Lust hatte ich heute keine, weder zum Dehnen noch zum Laufen. Trotzdem habe ich meine Übungen gemacht und meine Laufsachen gepackt. Laut Trainingsplan sollte ich wieder 3 x 10 Minuten laufen. Das habe ich auch gemacht. Spass hatte ich keinen. Es ging leicht, nichts hat wehgetan und die Kondition hat – trotz Karneval – ausgereicht. Ich war trotzdem enttäuscht. Irgendetwas hatte ich erwartet. Während des Laufens habe ich die Bewegungsmuster überprüft, habe Hüfte und Schulter synchronisiert und auf die Fußgelenke geachtet. Und natürlich die Kraft aus den Armen geholt. Ganz zum Schluss musste ich noch mal ausprobieren was mich beim letzten Mal zu umgehauen hat: diese schnelle Armbewegung und die Beschleunigung danach. Es hat auch wieder geklappt.  Warum kann ich mich nicht mit einem schmerzfreiem Knie und einem beschwerdefreien Rücken zufrieden geben? Das sind jetzt wohl die Mühen der Ebene. Die nächste Woche geht genauso langsam weiter. 25 Minuten am Stück, 30 Minuten am Stück. Nur drei Laufeinheiten.  Hoffentlich halte ich das durch. Warum fällt mir das Maßhalten nur so schwer? Ich habe doch gerade erst mit einem Wärmepack im Rücken auf dem Boden gelegen und mir war schlecht von der Spritze, die ich in den Rücken bekommen habe! Vielleicht gehe ich einmal pro Woche zusätzlich Schwimmen. Da kann ich mich auspowern und mache nichts kaputt. 5 Kilo müssen auch noch runter. Die gehen aber von alleine, wenn ich erst mal richtig laufen kann. Zur Zeit bremsen die noch. Außerdem fühle ich mich nicht wohl mit den Fettwürsten auf der Hüfte und am Bauch. Das muss weg. Die Laufhosen sind außerdem erbarmungslos. Schrecklich sieht das aus! 

Gestern in der Sauna kam die Nervosität. Samstag werde ich 10 Km laufen. Darüber reden macht mich nervös. All die Fragen, was ziehst du an? Was isst du? Wie viel trinkst du vorher? Gelernt habe ich gestern: nicht zu warm anziehen, Nudeln am Vortag und am Morgen des Laufes essen und nicht zu viel trinken kurz vor dem Start. Los geht‘s es um 15.00 h mit den 10 km. Ich will vorher in aller Ruhe meine Übungen machen. Wenn ich da bin, dann fühle ich mich beobachtet von den ganzen Cracks. Ich weiß nicht, ob ich dann nicht schludrig dehne. Am liebsten würde ich das zu Hause machen. Im Laufe des Abends wird mein Respekt vor der Strecke immer größer. Zwei heftige Steigungen sind dabei. Zu Hause sehe ich mir die Strecke an und Zweifel noch mehr. Wie soll ich die Kräfte richtig einschätzen, wenn ich den Streckenverlauf nur auf dem Papier kenne und sonst immer ohne große Steigungen laufe???

Heute morgen ist mein erster Gedanke wieder die Strecke. Deshalb fahre ich da jetzt hin und laufe meine 20 Minuten heute auf dem mir noch unbekannten Teil der Strecke. Übungen mache ich hier in der Wohnung, dann fahre ich los. Ich bin immer noch warm und gedehnt als ich ankomme – das funktioniert also. Langsam beginne ich mit der Erkundung der Strecke vom Sonntag. Ein langsam ansteigender Waldweg führt an einem Bach entlang. ich weiß, dass diese Steigung bis zum Wendepunkt nicht mehr abnehmen wird. Die Unsicherheit wie lange es noch dauert, wie meine Kräfte ausreichen hindern mich am lockeren Laufen. Lange dauert es, bis ich meinen Rhythmus finde. Aber der Gipfel ist dann schneller da, als ich gedacht habe. Die Wegmarkierung ist noch nicht fertig, ich finde die Wendeschleife nicht und drehe einfach irgendwann um. Bergab ist es federleicht. Die Morgensonne wird in den Fichtenkronen gebrochen, das Bächlein plätschert, der Hund trabt voran, die Schritte fliegen, ich kann durch die Nase atmen. Das ist ein Ausblick! Am Sonntag kann ich auf dem Weg zurück regenerieren und Kraft sammeln für den mörderischen Schlussanstieg. Im Endeffet bin ich 35 min. Wenn ich bedenke wie fahrig ich war als ich den Lauf begonnen habe, war die Entscheidung richtig. Jetzt in ich beruhigt und glaube die Distanz zu schaffen. Unter einer Stunde. Auch wenn es etwas mehr ist als 10 km. Mein Sport BH hat zwischen den Titten etwas gescheuert, das muss noch verheilen. Und heute habe ich das erste Mal eine Druckstelle an einem Zeh bekommen. Die Socken waren nicht gut. Ob ich mir jetzt noch Sport Socken kaufe, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht muss ich aber. Sonst hängen meine Gedanken die ganze Zeit an Socken… Meine Klamotte habe ich nur mit Wasser ausgespült, damit sie nicht voll Waschpulver sind, das habe ich auch schon gelernt. Stinken tut das Zeug aber nicht. Das würde ich nicht aushalten. Was mir jetzt noch bleibt, ist die Vorfreude, viel Nudeln essen und die dringende Bitte an meinen Körper, meine Tage nicht jetzt beginnen zu lassen! Dann kotze ich.