Training


Meine derzeitige Wochenkilometer liegen bei 870 km. Nicht mit den Füßen, nicht mit dem Rad und ohne Wasser. Ich pendel mit der bahn. Generation ICE sagt man neuerdings. Arbeiten im südlichen Ballungsgebiet, leben im strukturschwachen Norden. Bis her ist mir der Sport trotzdem gelungen, zweimal pro Woche mindestens. Zur Zeit geht es nicht, mir fehlen 3 Stunden pro Tag. Scheiß Akkupunktur bedeutet erst um 12 am Arbeitsplatz zu sein, bedeutet Nachtschicht, bedeutet keine Bewegung bedeutet Stagnation weil der Rücken Sitzen nicht mag.

Einerseits bin ich extrem mobil, fahre dreimal die Woche hin und her, andererseits verdammt mich das zur Sitzstarre. Teufel Zivilisation. Ich hab noch nie mit meinem Mann in ein und derselben Stadt gearbeitet. Ich sehe die älteren Pendler mit ihren Plautzen und Augenringen und der grauen klimaanlagenluft und will nur noch wegrennen. Guck ich auch schon so abgelöscht?

Was man an Zeit und Energie sparen könnte, würde Erwerbsarbeit dezentral organisiert… Noch drei mal Akkupunktur, dann sind wieder wertvolle Stunden zurückerobert. Und am Wochenende einmal mit dem neuen Rad in den Wald.

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Als ich das letzte Mal eine Fahrradtour gemacht habe, war an meinem Gepäckträger noch ein oranger Abstandshalter mit Katzenauge angebracht. Seid dieser Zeit habe ich das Fahrrad als reines Fortbewegungsgerät benutzt. Immer ging es darum irgendwo hin zu kommen, nie um den Weg als Ziel. Vor 12 Jahren hat mir mein damaliger Mitbewohner aus seinen Ersatzteilen ein Fahrrad zusammengebaut, das ich bis heute fahre. Mit diesem MTB habe ich früher versucht wie ein anachrchischer Fahrradkurrier durch die Hauptstadt zu heizen und war dann doch nur eine verschwitzte Studentin in der Vorlesung.

Gestern haben wir ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das alte MTB und ich haben aus reinen Trainingszwecken eine kleine Tour gemacht. In Sportklamotten, mit ausgeliehenem Helm und mit Wasserflasche im Rucksack. (Der Halter für die Flasche wurde mir irgendwann mal abgeschraubt). In einem 25 Km entfernten Dorf in den bergigen Wäldern ausserhalb der Stadt wurde ich vom Mann eingesammelt. Unterwegs war ich 1:37 h. Ob das viel ist, ob das langsam ist – keine Ahnung. Ich war kaputt, habe an den Steigungen kämpfen müssen, und beim Atmen mit unter viel Lärm gemacht. Was mir besonders gefällt: gestern keine Probleme an Bein oder Rücken, heute kein Muskelkater.

Ich muss sagen: schön war’s! Der Fahrradweg war zauberhaft, die Beine haben anders arbeiten müssen, die Geschwindigkeit hat viel Spaß gebracht. Das werde ich jetzt ausbauen, schließlich schreibt Herr Steffny:

„Allgemein zu Laufen und Schwimmtraining: Während Schwimmtraining zwar wie alle anderen Sportarten die allgemeine Ausdauer verbessert (Herzkreislauf, Atmung usw.), kann eine Schwimmeinheit allerdings kaum ein Lauftraining ersetzen, denn dafür ist es zu sportartunspezifisch. Es werden eben andere Muskelgruppen verwendet, oder die „Laufmuskeln“ anders verwendet. Radfahren liegt da schon etwas näher am Laufen.“

Vor der nächsten Tour sehe ich mich nach einem Getränkehalter und einem eigenen Helm um. Der Rucksack hat genervt und ist dann doch eher ein Relikt aus vergangenen Fahrradtour Zeiten gewesen.

Es hat sich angedeutet. Die Beine waren schon seid heute Morgen schwer. Ein Ziepen in der Achillessehne, ein Druck am Knie, ein Gewitter weicht Alles auf. Ich habe keine Lust. Hilft ja nichts. Ich muss  laufen. Damit was draus wird nehme ich die neue Musik mit und lasse mich antreiben. Kopfkino an und los. Heute laufe ich erstmals gleich von Beginn an. Bisher bin ich den ersten Kilometer aus der Stadt heraus immer schnell gegangen. Erst dann habe ich die Uhr angestellt. Heute also nicht. Heute laufe ich gleichmäßig zum Rhythmus, habe Spaß und bin zügig unterwegs. Am Ende muss ich mich sehr quälen. Bitte schön: die Quittung für den schnellen Start. Es geht berauf, bis zu einem Brunnen, anschlagen – und zurück. Erleichtert lasse ich mich wieder bergab rollen. Die Stadt liegt im Dunst vor mir, die Musik trägt mich. Alles schön. Bis auf das Knie. Der Druck ist da und wird immer stärker. Ich unterbreche, dehne, laufe langsam weiter, unterbreche wieder, dehne, gehe, laufe langsam weiter. Och ne.

Nur wegen dem bisschen Tempo? Nur wegen dem Start ohne Warmgehen? Nur weil ich seid zwei Wochen keine Übungen mehr gemacht habe? Nur wegen der Musik?

Wenn ich es so aufzähle, kommt dann doch einiges zusammen. Egal. ich gehe einfach 5 Minute, dehne immer mal wieder und laufe schließlich langsam weiter. Der Schmerz lässt nach. Bleibt zwar, aber lässt nach. Das Gewitter kommt zurück. Sind in den letzten Tagen nicht total viele Menchen vom Blitz getroffen worden? Ist es wirklich so, das man aufgrund des Abstandes zwischen Blitz und Donner die Entfernung des Gewitters ermitteln kann? Meinen Hände schützend um den Player legend, laufe ich durch den strömenden Regen nach Hause. Hinter mir grollt es. Das hat heute nicht gepasst. Die Musik nicht, das Tempo nicht und das Knie nicht. Trotzdem bin ich 1:17 h gelaufen. Und das nächste Mal dann wieder  ohne Musik.

Es fällt mir schwer wach zu werden. Deshalb brauche ich morgens Musik mit energischer Botschaft. Sonst geht das nicht. Die Natur, die Stille, die Vögel – alles zu schön und viel zu idyllisch zum Aufwachen. 

Deshalb habe ich mir jetzt eine Laufen am Morgen Wiedergabeliste zusammengesammelt. Die geht so:

 

Mixtape für den Lauf am Morgen

Mixtape für den Lauf am Morgen

Ein sanfter Opener, dann eine energische Phase, die keinen Wiederspruch duldet, gefolgt von einer Reihe von Songs, die hoffentlich ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und einen gutgelaunt und erfrischt in den Tag entlassen, mit kleinen treibenden Unterbrechungen. Nachtrag: Ich habe es geschafft, einen iMix zu erstellen.

 

Meine Beine und meine Füße sind schwer und geschwollen. Einfach so, wegen der Hitze. Und das trotz Luft und Freiheit in Flip Flops. Deshalb sitze ich hier und bastel solche Sachen. Morgen möchte ich einen langen (und sehr gemütlichen) Lauf machen. Bis dahin lege ich jetzt mal die Füße hoch. Im wahrsten Sinne des Wortes.

So geht das nicht.
Es ist zu heiß.

Ich kann nicht noch früher aufstehen. Selbst die halbe Stunde, die ich verznoozelt habe, hätte nichts gebracht. Um halb acht Morgens im Wald, 10 Km Fahrtenspiel mit Musik auf den Ohren haben mich fertig gemacht. Ich habe 20 Minuten auf dem Balkon stehen müssen, bis  ich aufgehört habe zu tropfen. Jetzt habe ich Beine aus Blei, die Arme hängen bis zu den Kniekehlen runter und kein klarer Gedanke weit und breit.

Also doch laufen in der Dämmerung? Auf Schwimmen ausweichen? Laufklamotten in der Gefriertruhe aufbewahren?

Alle anderen Regionen Deutschlands kriegen mal ein Gewitter ab, hier ist nichts zu sehen.  Hier dampft der Teer, der Rindenmulch staubt und bröselt, die Bäche trocknen aus. Ist das wirklich noch eine Gemäßigte Klima Zone? 10 Tage dauert die durchschnitliche Hitzeanpassung, lese ich. Merken tu ich davon nichts.


5:45 Uhr. Tosender Lärm weckt mich. Die Müllabfuhr ist unter meinem Fenster.  Es hallt in den Treppenhäusern und rumpelt auf der Gasse. Ich ziehe mir kurz die Decke über den Kopf, doch dann erinnere ich mich an meinen Vorsatz. Ich will heute Morgen laufen.

Gestern war Montag und ich wollte den neuen Trainingsplan beginnen und laufen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Nach einem sehr heißen Tag habe ich zu Hause beim Salat schnippeln das Radio angemacht. Und da wurde – mit sehr ernster Stimme – verkündet, die Ozonwerte seien derart hoch, dass dringend von Sport abgeraten werde.

Der Beitrag war noch nicht abmoderriert, da war mein innerer Schweinehund schon am Kühlschrank und griff nach einem kühlen Bier. Zisch. Ahhhhhh. Schweren Herzens habe ich mich dann zu ihm auf den schattigen Balkon gesetzt, am Salat geknabbert und die Füße hochgelegt. Sicher ist sicher.

Womit wir wieder am nächsten Morgen wären. Immer 5:45 Uhr. Das Bier hat nichts Schlimmes angerichtet, ich kann tatsächlich aufstehen. 3 Glas Wasser, Klamotten an und los. Es ist schon wieder so schwül, deshalb habe keinen Appetit. Diesmal probiere ich es mit Musik. Das klappt. Die Standartrunde von ca. 9 Km laufe ich sogar 5 Minuten schneller. Es macht mir Spaß. Kein Gedanke an Zeitdruck, keine Hektik. Da werde ich mir doch mal eine Wiedergabeliste für die Morgenrunden zusammenstellen.

Ich habe sogar noch Zeit für Kaffe Frühstück. Und alles dank der Müllabfuhr. Die kommt leider nur alle 2 Wochen.  Ich werde es übermorgen  selber schaffen müssen.

Das Leben ist so kompliziert, wenn man nur Luxusprobleme hat. Seid zwei Wochen treibt mich die Grundsatzfrage „morgens oder Abends laufen“ um. Der Lauf am Morgen ist praktisch: duschen muß ich sowieso, die Luft ist gut, der Tag fängt gut an. Abends kann man schöner abschalten, muss aber ein zweites mal duschen. Schlecht für das Klima, die Haut, die Haare und die Wasserrechnung. Der Morgen gewinnt.

Ich kriege es aber nicht hin!

Aufstehen ist kein Problem.
Kreislauf ist kein Problem.
Hunger ist kein Problem.

Ich komme aber nicht zur Ruhe. Der Gedanke, nicht genug Zeit zu haben treibt mich jedesmal zu Eile. Heute habe ich vor dem Wendepunkt sogar abgebrochen und bin umgekehrt. Nur aus Angst, zu spät zu kommen oder falsch kalkuliert zu haben. Da kann ich vorher für mich und für den Kopf noch so ausgefeilte Zeitpläne aufstellen.

Ich will jetzt mit dem neuen Trainingsplan anfangen, weil mir das bei der Vorbereitung zum HM geholfen und Sicherheit gegeben. Jetzt ein Plan für den Marathon unter 4.30 Stunden. Da muss ich mir wieder jeden Lauf eintragen, vielleicht gibt das Ruhe. Oder noch früher aufstehen? Noch mehr Puffer einbauen?

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