Zweifel


Nach dem ich gestern Abend wieder mit Schaumstoff-Ummantelung im Wasser gelaufen bin, konnte ich mal wieder herrlich erschöpft einschlafen. Verausgabt und glücklich. Fast wie früher. Damit es wieder genauso wie früher wird, habe ich heute morgen wieder die Osteopathin aufgesucht. Schließlich will ich wissen wie es weitergeht mit der Schulter und dem Selbstheilungsprozess. Sie fiel sogleich in das Gerede von der Prozeshaftigkeit ein, ordnete meine plötzlichen Schulterschmerzen nach der letzten Behandlung als Zeichen des Erfolges. So richtig bereit, ihr in diesem Schritt zu folgen, war ich immer noch nicht. Das letzte Restchen Rationalität zusammenkratzend verfolgte ich dann wachsam was ihre Hände für Reaktinen in meinem Körper nachsichziehen. Während sie ihre Hände auf meinen schultern liegen hat fragt sie nach möglichen Ursachen.

Sind sie mal auf die Schulter gefallen?
Ja, sicher unzähliche Male. Ich bin als Kind 1000x vom Pony gefallen, bis ausgerutscht, habe mich beim Geräteturnen lang gemacht, habe viel getobt…  und so weiter. Ja. ich bin oft hingefallen in meinen Leben. Mein Gott.
(Wissendes schweigen.) Aha.
Ist das nicht normal?
Sie haben hier einen blauen Fleck, was ist denn da passiert?
Wo?
Na hier, am Rücken.
Keine Ahnung. Merke ich nicht. Vielleicht von der Spritze am Montag beim Orthopäden?
Aha, ja das kann sein.

Ich komme mir irgendwie doof vor. Trampelig. Ignorant. Aber an jeden kleinen Sturz oder Rempler kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. So gesehen, ist sicher jedes Körperteil mal geprellt, geklemmt, gestossen oder gequetscht worden. Ich habe mir aber (bis auf das Schlüsselbein) noch nie was gebrochen, wurde noch nie operiert. Das fand ich bisher immer ganz ordentlich. Hier scheint das alles aber als Ursache in Frage zu kommen. Bin ich ein Rowdy? Was die Frau mit dieser Ansage macht, weiß ich nicht. Ich muss mich wieder auf die Liege legen, wieder auf Ihre Hände. Sie meint eine veränderung zu bemerken. Eine Verbesserung. Ich fühle mich genauso unwohl wie beim letzten mal. Meine Gedanken landen immer wieder bei meinem überfülltem Email Postfach im Büro, gehen nochmal die Weihnachtsgeschenke durch. Die Frau hat das wohl gemerkt.

Und, was macht ihr Körper so?
Äh, weiß nicht, kann ich jetzt gar nichts zu sagen…
Beschreiben sie doch mal, was sie an den Stellen fühlen, wo meine Hand liegt?
(Was für eine Steilvorlage für einen schönen Witz. Ich muss mich zusammenreißen.) Also… naja…da wo Ihre eine Hand… also in meinem Hintern spüre ich eigentlich nichts.
Dann beobachten sie mal weiter, und sagen sie mir was sie fühlen.
(ich versuche mich zusammenzureißen. Höre zwanghaft in mich hinein.) Also, mein Rücken ist fest, da ist ein kleiner Krampf.
Also ich merke, dass sie und Ihr Körper das hier total verfolgen. Sie wollen genau wissen und beobachten was vor sich geht.

Hä? ich UND mein Körper? Und wen oder was beobachten wir? Gibt es also drei Komponenten hier? Soll ich sie mit den beiden anderen alleine lassen? Naja. Jetzt bin ich hierher gegangen, dann wird jetzt auch mitgemacht. Es ist aber so wahnsinnig schwer sich zu entspannen, wenn man auf zwei fremden Händen liegt. Mit dem Hintern. Meine Beine zucken immer mal wieder, dann löst sich die Spannung und ich liege wieder einen Moment entspannt. Ob das jetzt an der Handauflegerrei liegt oder daran, dass ich mir bewusst werde, das ich auf Ihren Händen liege und mich verkrampfe – ich weiß es nicht. Es dauert.

Nach einiger Zeit rauscht es in meinen Ohren und mir wird warm. Richtig warm. Außerdem fühle ich mich auf einmal total leicht. fast schwebend. Jetzt ist es passiert. Du bist durchgeknallt, denke ich mir und pfeife meinen Verstand zurück. Was war denn das? Bin ich kurz eingeschlafen?

Natürlich muss das alles so. War genau geplant. Meine Schulter sei jetzt wieder im Bild, der Nerv und der Rücken seien nur die Spitze des Eisberges, mein Körper arbeite aber schön mit und gehe alles nacheinander an. Ich glaube mich verhört zu haben – Spitze des Eisberges? Was soll den da noch kommen? Ja, ja, orakelt die Frau. Hören sie in den nächsten Tagen mal in sich hinein. Seien sie vorsichtig und klettern sie nicht auf Leitern oder Stühle. Ihr Gleichgewichtssinn könnte etwas eingeschränkt sein. Da tut sich was. Natürlich müssen wir weitermachen.

Also, ich weiß nicht. Beim Anziehen, muss ich ich hinsetzten, weil mir so schwindelig ist. Das Fahrrad schiebe ich zurück ins Büro. Mein Postfach ist wirklich voll. Hab ich deshalb seherische Fähigkeiten? Beim Essen zittern meine Hände, die Kollegen gucken mich fragend an. Ich war wieder beim Osteopathen, sage ich schuldbewusst. Ach so, alles klar. Ist gut, oder? Ich weiß nicht. Es hört sich zu einfach an. Ich würde gerne dran glauben.

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Ich weiß nicht womit es angefangen hat. Vielleicht mit Jugend trainiert für Olympia im Geräteturnen in der Mittelstufe.  Wir habe da immer im unteren Drittel herumgelungert. Gewonnen haben die selbstbewussten Turnerinnen des altsprachlichen Traditionsgymnasiums. Die hatten alle einheitliche enge Turnanzüge (diese Badeanzüge mit langen Ärmeln) und ballonseidene Jacken mit Schulwappen. Wir Provinzgesamtschüler mussten unsere verfusselten schwarzen Turnhosen und ausgeleierte weiße T-Shirts tragen, auf denen das verblasste Schulwappen aufgebügelt war. Unsere schlechte Platzierung – das war uns sonnenklar – lag ausschließlich an der mangelhaften Kleidung. Seid diesen Tagen sind Gemeinschaft generierende Trainingsklamotten mein liebster Fetisch. Seid diesen Tagen warte ich darauf endlich einmal so etwas zu besitzen. Ich stelle mir das vor wie eine Rüstung, die einen beschützt vor allerlei Unbill. Denn ein Trainingsanzug mit Aufdruck steht immer für eine Gruppe, für viele Gleichgesinnte die an einem Strang ziehen. Lieber keinen Streit anfangen mit denen. 

Ich komme auf sieben Sportvereine in meiner Vergangenheit aber keine Mitgliedschaft hat mich bisher mit einer Vereinskleidung beglückt. Volleyball habe ich in einer Herrenmannschaft gespielt, besser nur trainiert, weil es ja eine Herrenmannschaft war. Die hatten Trikots aber nur fürs Spiel. Beim DLRG hatten wir noch nicht mal einheitliche Bademützen, das einjährige Gastspiel beim Jiu Jitsu zog zwar den obligatorischen weißen Anzug nach sich – war aber auch nicht das gelbe vom Ei. Der alternative Reitverein verweigerte sich jeglicher traditioneller Reitkleidung und verteufelte Konformismus. Eigentlich machte mir das die Mitgliedschaft leichter, denn Vollversammlungen, Spalier stehen, Nudelsalat mitbringen und Gruppendynamik sind nicht so meins. Das Vereinsleben abseits des wöchentlichen zusammen Sport machen ist ein rotes Tuch für mich. Aber der Trainingsanzug lockt nach wie vor.

Aus nostalgischen Gründen bin ich im Frühjahr in den Sportverein meines Heimatdorfes eingetreten. Aus Jux und Dollerrei, und weil ich es witzig fand, bei den Volksläufen den Namen des Dorfes hinter meinem Namen zu lesen. Es ist ein Turn-, Sport- und Gesangsverein mit gefühlten 50 aktiven Fußballern, 30 aktiven Bänkelsängern und 7 Läufern (mit mir). Eigentlich sind es nur drei Familien. Ich fand das witzig. Trainiert wird zusammen mit einem größeren Laufreff aus dem Nachbarort. Ohne mich, ich wohn da nicht. Wir fahren zusammen zum Volkslauf und ich bekomme Tips. Leider meistens Ansagen, die mich stressen. Die im krassen Gegensatz zu meinem Gefühl oder zu den Aussagen meine Arztes stehen. Meistens haben sie mir schneller, weiter und trotzdem zu tun.  Mein Trainingsplan ist aus dem www, ab und zu, wenn es passt, dann machen wir einen langen Lauf zusammen. Wenn ich laufen kann. Was nach deren Einschätzung eigentlich immer ist, weil das komische Zipperlein nicht gilt.

Sechs der Sieben Läufer haben viel Erfahrung, zahlreiche Marathons in den Knochen, unzählige Verletzungen überstanden und mindestens vier von Ihnen laufen mich in Grund und Boden. Wenn ich dann nicht mache, was sie mir raten, weht meistens ein eiskalter Wind durch meine Beitrittserklärung und alles ist auf einmal überhaupt nicht mehr Ironie tauglich. Dann wird mir wieder klar warum mir das dort mit 19 zu eng geworden ist und ich – nicht ohne Groll – ausgezogen bin. Dann sehe ich auf einmal nur noch Nudelsalat und Bericht des Kassenwarts und Hecke schneiden und Sippenhaft. 

Soweit so einfach zu lösen: einfach wieder austreten. Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit. ABER: Jetzt werden Trainingsanzüge bestellt. Subventioniert vom Verein. Weil die Fußballer ja auch welche haben. Nach jahrelangem Hick Hack kriegt die Läufersparte auch Anzüge. Und ich – durch puren Zufall – mittendrin. Ist schon bestellt. Sieht gar nicht mal schlecht aus im Katalog. Das ist doch ein Zeichen! Das kann ich doch nicht einfach ignorieren! Da muss ich doch jetzt tapfer sein und einfach dran bleiben und grinsen und danke für den Tip sagen und mein Ding machen. Geht das noch als Pragmatismus durch oder sitze ich da mitten drin im  Opportunismus? 

Heute bin ich übrigens gelaufen. Erst eine Stunde Übungen dann eine halbe Stunde laufen mit den neuen Schuhen. Tip Top. Keine Klagen. Kleine Runde, ohne Ehrgeiz. Am Freitag möchte ich gerne wieder meine normale Runde laufen. Eine Stunde langsam und gemütlich. Und wenn das nicht klappt, muss ich mich an den Gedanken gewöhnen mich umzumelden. Dann wird aus dem Marathon eben ein Halbmarathon. Aber gelaufen wird. Weil es nämlich sehr viel Spaß macht, wenn es klappt.

Ein Opportunist ist ein „Jenachdemer“.  (Wilhelm Busch)

Am Freitag wäre vor meiner Haustür ein 10 Km Volkslauf. Meine Expertenrunde läuft. Ich hab es mir schon vor Monaten in den Kalender geschrieben. Aber Rücken und Knie mucken heute immer noch. Das ist die Quittung vom doofen Lauf.  Schade.

Wenn ich aber etwas im letzten halben Jahr gelernt habe, dann, dass ich mir mit gegen den Schmerz laufen und tapfer sein, 4 Wochen Pause einbrocke. Ich will nicht wieder zurückgeworfen werden. Ich will nicht wieder 5 Minuten laufen und dann abrechen. Will im Hochsommer keine Wärmesalbe auf den Rücken schmieren.

Den Leuten um mich herum gelingt dieses Pensum. Es ist Ihnen in ihrer ersten Saison gelungen. 25 Jahre älter und auf 10 km 6 Minuten schneller. Und auf den langen Distanzen unerreichbar. Anstatt mich aber auf mein Ziel im Oktober zu fokussieren, bleibe ich immer wieder bei den Volkslaufergebnissen hängen. Völlig bekloppt! Warum kann ich nicht umschalten? Von schneller! schneller! auf weiter! weiter! Warum diese Wettkampfgedanken? Muss ich mir jetzt die 10 km Läufe verbieten, obwohl sie mir so viel Spaß machen? Keine Schulumkleidekabinen, kein lauwarmer Zitronentee, kein Fantakuchen mehr? Eine Entscheidung steht an.

So geht das nicht.
Es ist zu heiß.

Ich kann nicht noch früher aufstehen. Selbst die halbe Stunde, die ich verznoozelt habe, hätte nichts gebracht. Um halb acht Morgens im Wald, 10 Km Fahrtenspiel mit Musik auf den Ohren haben mich fertig gemacht. Ich habe 20 Minuten auf dem Balkon stehen müssen, bis  ich aufgehört habe zu tropfen. Jetzt habe ich Beine aus Blei, die Arme hängen bis zu den Kniekehlen runter und kein klarer Gedanke weit und breit.

Also doch laufen in der Dämmerung? Auf Schwimmen ausweichen? Laufklamotten in der Gefriertruhe aufbewahren?

Alle anderen Regionen Deutschlands kriegen mal ein Gewitter ab, hier ist nichts zu sehen.  Hier dampft der Teer, der Rindenmulch staubt und bröselt, die Bäche trocknen aus. Ist das wirklich noch eine Gemäßigte Klima Zone? 10 Tage dauert die durchschnitliche Hitzeanpassung, lese ich. Merken tu ich davon nichts.


Das Leben ist so kompliziert, wenn man nur Luxusprobleme hat. Seid zwei Wochen treibt mich die Grundsatzfrage „morgens oder Abends laufen“ um. Der Lauf am Morgen ist praktisch: duschen muß ich sowieso, die Luft ist gut, der Tag fängt gut an. Abends kann man schöner abschalten, muss aber ein zweites mal duschen. Schlecht für das Klima, die Haut, die Haare und die Wasserrechnung. Der Morgen gewinnt.

Ich kriege es aber nicht hin!

Aufstehen ist kein Problem.
Kreislauf ist kein Problem.
Hunger ist kein Problem.

Ich komme aber nicht zur Ruhe. Der Gedanke, nicht genug Zeit zu haben treibt mich jedesmal zu Eile. Heute habe ich vor dem Wendepunkt sogar abgebrochen und bin umgekehrt. Nur aus Angst, zu spät zu kommen oder falsch kalkuliert zu haben. Da kann ich vorher für mich und für den Kopf noch so ausgefeilte Zeitpläne aufstellen.

Ich will jetzt mit dem neuen Trainingsplan anfangen, weil mir das bei der Vorbereitung zum HM geholfen und Sicherheit gegeben. Jetzt ein Plan für den Marathon unter 4.30 Stunden. Da muss ich mir wieder jeden Lauf eintragen, vielleicht gibt das Ruhe. Oder noch früher aufstehen? Noch mehr Puffer einbauen?

Ob es am neuen Kaffepulver lag oder daran, dass ich verschlafen habe? Heute Morgen bin ich in eine David Lynch Zeitloch gelaufen. Ein LOST FOREST TRAIL statt LOST HIGWAY.

Als ich die Kleingartensiedlung erreiche, sind die Wege leer, die Hundebesitzer und Frühläufer sind schon durch. Ich bin zu spät dran. Vor mir entdecke ich dann doch eine Frau. Die trägt aber Zivil. Lange Jeans, Häckelpulli. Aber sie läuft. Komisch. Vielleicht muss sie schnell zum Bus. Welcher Bus?

Ich hab vorher zu viel getrunken und muss deshalb im Stadtwald mal ins Gebüsch. Unter großen Farnblättern sitzend, schiebt sich langsam ein Polizeiauto in mein Blickfeld. Dann noch eins, und noch eins, sogar zwei Wannen und ein Zivilfahrzeug. Eine kleine, leise Kolonne im Schritttempo. Ich sitze da und halte den Atem an. Entspannt ist anders. Ich lasse sie passieren, gehe zurück auf den Waldweg und laufe weiter. Hinter der nächsten Kurve stehe sie . Eine gepanzerte, schwarze Wand, mit unruhige Augen die mir einen kleine Spalier öffnet durch den ich hindurchlaufe. Offensichtlich möchten sie die einsame Waldhütte betreten, was der Besitzer nicht möchte. Es ist alles so gespensitisch ruhig und langsam. „Kommen sie mal bitte zum Tor, hier spricht die Polizei!“

Das passt alles nicht zusammen. Ich laufe.  Gucke nicht rechts, nichts links, laufe einfach weiter. Hinter der nächsten Kurve laufe ich beinah in eine bunte, quitschende Blase aus Kleinkindern. Wandertag im Kindergarten. Alle Kinder und auch die Erzieherinnen tragen Winterklamotten. Wollmützen, Skihosen, dicke Jacken und imens große Kinderrucksäcke. Deshalb bewegen sie sich wie kleine bunte Pinguine. Watschel, watschel, giggel, giggel, raschel, raschel. Ich kann gerade noch rechtzeitig vor dem Schlußlicht-Pinguin in den Wald ausweichen und überhole querfeldein. Wieso sind die so angezogen? Wo wollen die denn hin? Oder wo kommen die her? 

Laufe weiter. Ruhig und langsam. Bis zum Schicki-Micki-Pferdehof. Anschlagen – und zurück. Die Kinder sind verschwunden. Dafür kommt mir doch tatsächlich diese Frau in langer Jeans und Häckelpulli entgegen. Jetzt sehe ich, dass sie Laufschuhe trägt. Ich grüße sie wieder, sie antwortet wieder nicht. Was macht die da?

Die Polizei ist auch verschwunden. Nichts mehr da. Vieleicht habe ich mir das ja eingebildet? Kurz vor meiner Haustür stehe ich mit zwei Polizistinnen an der Ampel. Sie haben Schusssichere Westen und diese Panzer an den Schienbeinen und Ellenbogen. In der Hand halten sie jeweils ein großes Puddingstück vom Bäcker. Sie gucken mich an, ich gucke sie an. Kennen wir uns? Ich laufe weiter. Schnell nach Hause. Unter die kalte Dusche. Eine Stunde ist vergangen, meine Beine sind etwas schwer. Ich habe also nicht geträumt.

Eine neue Stadt, ein neues Zimmer auf  Zeit, ein neues Büro und neue Landschaft zum entdecken. Zur Belohnung will ich nach dem ersten Arbeitstag laufen gehen. Den Weg aus der Fußgängerzone in den Stadtwald muss ich mir auf dem Stadtplan zeigen lasssen. Das Bein zwickt – ist mir aber egal. Wenn es richtig schmerzt, höre ich wieder auf. In meinem Laufklamotten komme ich mir doof vor zwischen alle den Feierabendeinkäufern. Die angezogenen Menschen stören mich zu Hause gar nicht mehr, hier aber schon. Ich flüchte durch ein Wohngebiet, ohne zu wissen wie lange es dauern wird, bis ich endlich den Pfad am Bach erreiche. Mein Kopf ist mit Orientieren beschäftigt, ich vergesse auf Rücken und Knie zu achten. Nach 10 Minuten erreiche ich eine Kleingartensiedlung durch die sich ein Pfad mit Rindenmulch schlängelt. Der Boden ist fluffig und weich. Die Abendsonne blendet, Mücken fliegen mir den den Mund, aus den Gärten wabern Grillgerüche und DrumnBass. Ich laufe weiter. Durch einen Wald bis zu einem luxeriösem Pferdehof. Die Uhr sagt 30 Minuten. Ich sage Zeit umzudrehen. Erst jetzt merke ich, dass ich einen kleinen Berg hinaufgelaufen bin. Also geht es jetzt gemächlich bergab. Bis nach Hause. Fühlt sich überhaupt nicht mehr komisch an in Laufbuchse und verschwitztem T-Shirt. Ich bin wieder bei mir. Eine Stunde, etwas mehr als 9 Km. Glück. Glück. Glück. Das war gestern. Morgen wieder.

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