Nur weil hier nichts stand, heisst das nicht, ich habe mich nicht gerührt. Für den Kopf und gegen den Druck habe ich ein halbes Jahr nicht protokoliert. Keinen Trainingsplan befolgt, keine Km aufgeschrieben, keine Zeiten gestoppt und keine Tage gezählt. Ich bin aufs Rad gestiegen, wenn ich Bewegung brauchte, bin in den Wald gegangen, wenn meine Füsse was tun wollten. Habe mich weiter mit Nadeln stechen lassen und ab und zu Übungen gemacht.

Natürlich gibt es einen Unterschied: ich fühle mich nicht mehr als Sportler im engeren Sinne. Ich kann mich nicht beteiligen an Gesprächen über Volksläufe, Marathonreisen oder Ausrüstungsneuheiten. Werde ich gefragt, was ich mache, muss ich sagen, dass ich etwas Rad fahre. Werde ich gefragt, ob ich noch laufe, muss ich verneinen.

Mein Rad macht mir große Freuede. Meine Kondition ist noch nicht ganz weg. Ich kann also durchaus noch fordernd Rad fahren. Kann mich austoben. Wenn ich ein bisschen Grundausdauer dadurch halten kann, bin ich froh. Die zweite Akkupunkturrunde ist abgeschlossen, in zwei Monaten geht es zur Kontrolle. Die Chancen stehen gut, dass dann die als chronische Schmerzen diagnostizierten Stiche fast weg sind.
Bis dahin muss ich eine Balance finden zwischen laufen lassen und trotzdem noch in der Lage sein Kuriositäten zu sammeln und ein bisschen Tagebuch zu führen. Denn irgendwann werde ich mich dann mal wieder irgendwo für irgendwas anmelden.

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Ist das heiß! War das gestern heiß!

Das habe ich aber erst gemerkt als ich schon auf dem Fahrrad saß. Zu spät. Ich wollte eigentlich einen Rundkurs fahren. Eigentlich. Nach kurzer Erfrischugspause, wollte ich auf einer kürzeren und flacheren Strecke zurück fahren. Wollte ich – ging aber nicht. Nach 30 Km und zwei Stunden war ich platt. Nix ging mehr. Ich musste notgedrungen für den Rückweg zum Mann ins Auto steigen.

+652 m / -467 m / net 185 m / 32°/ 2:00:00 / 30 km

Die Berge waren zu steil, die Hitze zu stark und ich schlapp wie ein nasser Waschlappen. Gestern ging nichts. Keine Kraft nirgens. Mein Körper hat mal laut und kräftig seine Grenze aufgezeigt. Ich habe auch nur Leitungswasser in in reingefüllt. Das nächste mal nehme ich dann doch mal dieses POWER GEL aus dem Halbmarathon Beutel mit. Mein altes MTB ist tapfer und trägt mich überall hin. Die Schaltung verstellt sich immer wieder, die Bremse schleift und ab und zu knackt es irgendwo. Deshalb fahre ich bergab immer sehr besonnen. Das „Achtung Schulkinder“ Zeitmessding hat bergab in einem Dorf 32 Km/h gemessen. Das ist mir glaub ich schon zu schnell. Früher war mir das alles egal, heute stelle ich mir Risse im Rahmen vor, brechende Schrauben, sich lösende Schnellspanner… Wenn ich das Fahrradfahren ausbauen möchte, muss ich mir über eine Investition Gedanken machen.

Heute morgen habe ich vor der Hitzelähmung meine Übungsstunde gemacht und dann ein längst geplantes Vorhaben in die Tat umgesetzt: Ich war bei der Fußpflege. Füße durchgucken lassen. Die sahen aus…

Kaum saß ich auf dem Spezialsessel frage die überaus sympathische Podologin ob ich laufe. Die Füße würde so aussehen. Ihre hätten früher auch so ausgesehen, sie sei zahlreiche Marathons gelaufen. Und los ging’s. Jetzt weiß ich, worauf man laufspezifische bei der Fußpflege achten sollte und habe noch ein paar Streckentips und Trainingsvorschläge in meiner Stadt. Meine Füße sind endlich wieder herzeigbar, top in Form gebracht und einbalsamiert mit Rosmarin / Lavendel Gel. Da kann jetzt nichts mehr einschneiden, zwicken oder  scheuern. War eine günstigere Investition als ein neues Fahrrad.

P1040246

das ist nachher, vorher zeige ich nicht.

Heute war doch schon wieder Akupunktur. Diesmal habe ich mich bei den Wochen verzählt, nicht bei den Runden. Also gleich die Gelegenheit genutzt und um Wunderheilung gebeten:

Ich: Kann ich jeden Tag kommen?
Arzt: Nein.
Ich: Kann ich noch mal Spritzen bekommen?
Arzt: Nein.
Ich: Kann ich was anderes machen?
Arzt: Nein. Hier gilt wie so oft: Viel hilft nicht viel. Es darf sich keine Gewöhnung einstellen. Wir haben gerade mal die Hälfte. Kommen sie diese Woche noch zwei Mal. Machen sie Aqua-jogging, fahren sie Fahrrad. Tschüss, bis Übermorgen.
Ich: Manno.

Also gut. In der Stadt der Arbeitswoche habe ich jetzt Dienstags einen Kurs für Aqua-jogging rausgesucht und heute probiere ich Aqua-Cycling aus. Das macht der Brudersportverein meines Sportvereins und wir dürfen da auch hin. Mal gucken. Heute geht es, ich habe ja Urlaub. Ich bin gespannt – auf Fahrräder im Wasser, auf die Leute auf Fahrrädern im Wasser und auf den Effekt. Außerdem sind die Trainingsanzüge da.

Vorgestern sind wir 55 Km Fahrrad gefahren. Eine Odyssee. Das war mit Sicherheit Deutschlands schlechtest ausgeschilderter Fahrradweg. Mindestens 10 zusätzliche Km Verfahrerrei habe ich nicht mitgezählt. Die gelangweilte Dorfjugend findet es auch 2009 noch lustig Schilder zu verdrehen. Hallo? Haben die keine Spielkonsole? Das haben wir früher gemacht. Also bitte!

Ging oft querfeldein, oft steil bergauf, oft lang gegen den Wind. War toll! Geht immer leichter. Beim Fahrradfahren gilt nämlich doch: viel hilft viel.

Vorgestern waren das alte MTB und ich noch mal im Dorf hoch oben in den bergigen Wäldern. Google hat nachträglich 435 Höhenmeter auf 27 Km errechnet. Trotz Fotopausen war ich 10 Minuten schneller. Tata. Ob ich mit der Fotodokumentation unterwegs warm werde, weiß ich noch nicht. Das Ergebnis ist so mittel. 

Und schon sind wir beim eigentlichen Thema: Keine Veränderung beim nervenden Nerv, der sich in der Akupunktur-Pause dann doch entschieden hat auch nach Fahrradtouren zu meckern. Mir blieb also keine andere Wahl, ich musste einen Frustkauf tätigen. Jetzt geht’s schon besser.

Der Inhaber des Lauffachgeschäfts war soooo nett und aufmerksam und interessiert und positiv und über die Maßen kompetent und erfahren. Hoffentlich hält dieses alles-wird-gut-Gefühl noch etwas an – war ja teuer genug. Die Schuhe sind aber wirklich der Hammer, und natürlich eine wesentliche Verbesserung gegenüber meiner alten asics, denen man die 250 Km schon über Gebühr ansieht. Ist doch klar. Ausserdem hat sich herausgestellt, dass ein Neutralschuh nicht das Beste ist, für meinen Fuß und mehr Stabilität her muss. Jetzt steht er hier, der Superschuh der Supermarke Saucony, von der ich noch nie gehört habe. Wieder was gelernt. Wieder ein Stückchen weiter in den Sündenpfuhl hinabgerutscht. Wieder ein wissendes Lächeln mehr im Repertoire.

An Laufen ist aber auch heute noch nicht zu denken. Also nur eine Stunde Übungen auf der Matte.  Und weiter warten und radeln und warten. Man wird das schön, wenn‘ wieder geht!

Endlich mal wieder erschöpft und glücklich. Endlich mal wieder ohne Schmerzen an die Grenze gegangen. 65 Km auf dem Rad. Das ist absolutes Rekord-Neuland für mich. Alles drin im Glückspaket: Nudeln in der Pause, ekelhaften Kämpfen am Berg, Triumph auf dem Gipfel, Geschwindigkeitsrausch auf Waldwegen. Natürlich gibt es Einiges zu verbessern.

Die Zeit (natürlich) > Wir haben 5 Stunden im Sattel gesessen, mussten aber auf den Hund im Hundekorb Rücksicht nehmen. Für ihn haben wir auch viele, viele Pausen gemacht, und immer mal wieder kurze Strecken im Schritttempo eingeschoben, damit er laufen kann. Die Reisezeit erhöht sich deshalb auf 8 Stunden. 

Die Kleidung (hätte ich wissen können) > Eine 3/4 Hose ist Blödsinn, weil sich in der Kniekehle der Stoff zusammen knüllt. Wenn man schon eine extrem hochwertige, technisch ausgefeilte Hightech-Unterhose besitzt, dann sollte man ihr den Vortritt vor dem Baumwoll-Evergreen geben. 

Die Sitzposition (kurios) > Oder ist das normal, dass einem die Beine und Füße einschlafen? Ich scheine da irgendwas abzuklemmen, trotz Feminina Gel Sattel. 

Seid gestern besitze ich einen eigenen Helm und eine Mini-Klingel. Sehr praktisch für die Nordic-Walker-Strassensperren. Die Klingel, nicht der Helm. Noch nicht.

Jetzt lege ich mich glücklich und zufrieden ohne Gewissensbisse mit einem Flaschenbier und einer Riesenportion Wallnuss-Eis aufs Sofa zu Mann und Hund und gucke FC Bayern vs. Manchester United in der Glotze. Und morgen gibt es wieder Nadeln und Magnete in Bein und Rücken, damit die Kollegen auch bald wieder einen klitzekleinen Lauf aushalten.

Nach zwei kleinen habe ich am Sonntag eine minimal größere Runde im Park gemacht. Und – bums – nach 31:43 abbrechen müssen. Die minimal größere Runde war also im Endeffekt kleiner. Völlig unlogisch und sehr ärgerlich! Das Bein war gestern den gesamten Tag über kribbelig, so als ob es eingeschlafen war und gerade wieder aufwacht. Nachdem heute morgen wieder Nadeln in Bein und Rücken gesteckt wurden, ist das weg.  Jetzt fahren wir in den Wald, um zu wandern.  Marathontraining sieht anders aus. Jammern an > Ich hatte mir so ein schönes „Training statt Flugreise“ Urlaubspaket geschnürt. Statt dessen bin ich ein emotionaler Störfall, mit brandgefährlichen Stimmungswechseln, dem die Decke auf den Kopf fällt. < Jammern aus.

In den letzten Tagen bin ich fast täglich Fahrrad gefahren. Kein Sport, nur Ausflug. Begeistert bin ich von meinem Gel Sattel, der speziell auf die weibliche Anatomie abgestimmt ist, von den überraschend gut ausgeschilderten Fahrradwegen und von meinen Beinen, die so tun, als haben sie das schon immer gemacht. (Beim Fahrradfahren ist nämlich Ruhe im Puff). 

Und weil ich zur Zeit sowieso nicht trainieren kann, gehe ich heute Abend Blutspenden. Zur Belohnung gibt es Karten für die Sauna. Doppelter Flüssigkeitsverlust, also. Auch das ist unlogisch.

Als ich das letzte Mal eine Fahrradtour gemacht habe, war an meinem Gepäckträger noch ein oranger Abstandshalter mit Katzenauge angebracht. Seid dieser Zeit habe ich das Fahrrad als reines Fortbewegungsgerät benutzt. Immer ging es darum irgendwo hin zu kommen, nie um den Weg als Ziel. Vor 12 Jahren hat mir mein damaliger Mitbewohner aus seinen Ersatzteilen ein Fahrrad zusammengebaut, das ich bis heute fahre. Mit diesem MTB habe ich früher versucht wie ein anachrchischer Fahrradkurrier durch die Hauptstadt zu heizen und war dann doch nur eine verschwitzte Studentin in der Vorlesung.

Gestern haben wir ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das alte MTB und ich haben aus reinen Trainingszwecken eine kleine Tour gemacht. In Sportklamotten, mit ausgeliehenem Helm und mit Wasserflasche im Rucksack. (Der Halter für die Flasche wurde mir irgendwann mal abgeschraubt). In einem 25 Km entfernten Dorf in den bergigen Wäldern ausserhalb der Stadt wurde ich vom Mann eingesammelt. Unterwegs war ich 1:37 h. Ob das viel ist, ob das langsam ist – keine Ahnung. Ich war kaputt, habe an den Steigungen kämpfen müssen, und beim Atmen mit unter viel Lärm gemacht. Was mir besonders gefällt: gestern keine Probleme an Bein oder Rücken, heute kein Muskelkater.

Ich muss sagen: schön war’s! Der Fahrradweg war zauberhaft, die Beine haben anders arbeiten müssen, die Geschwindigkeit hat viel Spaß gebracht. Das werde ich jetzt ausbauen, schließlich schreibt Herr Steffny:

„Allgemein zu Laufen und Schwimmtraining: Während Schwimmtraining zwar wie alle anderen Sportarten die allgemeine Ausdauer verbessert (Herzkreislauf, Atmung usw.), kann eine Schwimmeinheit allerdings kaum ein Lauftraining ersetzen, denn dafür ist es zu sportartunspezifisch. Es werden eben andere Muskelgruppen verwendet, oder die „Laufmuskeln“ anders verwendet. Radfahren liegt da schon etwas näher am Laufen.“

Vor der nächsten Tour sehe ich mich nach einem Getränkehalter und einem eigenen Helm um. Der Rucksack hat genervt und ist dann doch eher ein Relikt aus vergangenen Fahrradtour Zeiten gewesen.