Normalerweise schaltet man einen Gang höher, wenn im Ersten die Leistungsgrenze erreicht ist. Wenn der erste Gang Gehen ist, würde dies bedeuten, dass man anfängt zu laufen. Das fällt immer noch aus. Also muss ich die Leistungsgrenze im ersten Gang ausbauen. Das ist mir heute gelungen. Tatsache. Ich habe  gehend ein Gefühl von Geschwindigkeit  bekommen. Ich war schnell. Schnell und glücklich. Plötzlich war es gar nicht mehr wichtig, nicht laufen zu können.

Die Geschwindigkeit war das was ich vermisst habe. Und fälschlicherweise habe ich gedacht sie nur Laufend erfahren zu können. Und weil das so ist, mit mir und der Geschwindigkeit werde ich mein Ziel umformulieren: Ich will 10 Km laufen. Schneller laufen als bisher. Schneller werden. Vielleicht im Herbst wieder einen Volkslauf schaffen. Vielleicht in einem Jahr unter die 1:50 kommen. Die alte Frage ob schneller oder weiter habe ich für mich erstmal beantwortet: schneller. Das würde mir Spass machen. Das möchte ich erreichen. Einen Marathon werde ich vielleicht auch mal laufen. Später. Irgend wann, wenn ich mich ausgetobt habe.

Morgen werde ich ein Fahrrad kaufen. Mein altes Mountenbike mit den noch 5 funktionierenden Gängen hat ausgesorgt. Der Frühling kann kommen. Und zwar zackig! Ich habe lange genug pausiert. Es muss auch mal wieder los gehen. Das allerdings langsam und bedächtig.

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So, dann wolln wir mal. Neues Jahr (fast) neues Glück. Hops in die Thermohose, Schuhe raus und ab die Post. In den Wald! In den Wald! Hund ist dabei. Mann ist dabei. Ich walke. Mann joggt. Hund stöbert und markiert. Und weil es nicht hilft, um den Brei herum zureden,  nenne ich das, was ich da mache jetzt beim Namen: Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken. Walken.

Was soll das? Ist jetzt so. Es ist kein Wandern, es ist kein Spazierengehen. Ich gehe schnell, die Arme machen das, was sie beim Laufen auch machen würden, ich schwitze ein bisschen und mein Mann kann in seinem langsamen Tempo neben mit her joggen. Ich walke ohne Stöcke und trage dabei meine Laufklamotten. Das scheint eine Frechheit zu sein. Die Reaktionen sind wie immer: ablehnend. Gegrüßt wird nur mein Mann. Mein Hallo verhallt immer einsam im Wald. Ich bin das dicke doofe Kind. Das auszuhalten fällt mir verdammt schwer. Aber irgendwas ist ja immer. Läufer können auch scheiße sein.

Mein Ziel: irgendwann wieder 3-4x die Woche eine Stunde laufen zu können um den Kopf frei zu pusten, um runter zukommen um zu entspannen. Keine Zeiten, keine Kilometer. Mein Ziel für 2009 ist wieder Läufer sein. Auch wenn die manchmal scheiß arrogante W****er sind.

Die Anmeldebestätigung des Köln Marathons liegt ausgedruckt neben mir. Auf der Rückseite habe ich handschriftlich eine Vollmacht für meine Mutter geschrieben. Sie holt mein Zeug ab, und bringt es mir mit. Als sie mir die Anmeldung geschenkt hat, hat sie in rührender Zuversicht keine Rücktrittsversicherung für mich abgeschlossen und gleich ein Finisher T-Shirt mit bestellt. Das kann Sie jetzt anziehen. Mitkommen soll ich lieber nicht, sagt sie, das tue zu sehr weh. Und vier Stunden noch was da sitzen und hätte, wäre, sollte, wenn Gedanken haben finde ich jetzt auch nicht erfrischend. Sie ist Routinier genug, das noch einmal alleine zu genießen.

Was lerne ich jetzt daraus? Das ich schon ewige Zeiten Rückenschmerzen habe. Rückenschmerzen waren nicht mehr der Rede wert. Teilweise konnte ich nicht vom Stuhl aufstehen, sondern musste erstmal im 90° Winkel loslaufen. Typische Schreibtischtäter Kauerhaltung. Erst das ambitionierte Laufen hat bei mir den Leidensdruck so erhöht, dass ich es endlich angegangen bin. Jetzt registriere ich eine Unruhe im Rücken, die von einer Neuordnung herzurühren scheint und ab und zu bereits einem lockeren Rücken. Ich vermeide, wenn möglich zu sitzen und habe ein klappriges, selbstgebasteltes Stehpult für meinen Rechner im Büro.

Mit diesem Wissen geht es jetzt weiter. Heute habe ich mich 16 Km vor der Stadt aussetzten lassen und bin mit dem Hund zurück ge…..walked. Muss man sagen. Es war Walken ohne Stöcke. Zwei Stunden war ich getarnt, mit großer Sonnenbrille unterwegs. Jeder Spaziergänger wird akzeptiert und jeder noch so langsame Läufer, aber wehe man geht schnell, mit angewinkelten Armen…. Satan weiche… So viele doofe Sprüche wie heute wurden mir noch nie an den Kopf geworfen. „Haben sie dir die Stöcke geklaut?“ Statt freundlichem Gruß nur Verachtung. Nach einer Stunde im Feld-Wald und Wiesen Speckgürtel war ich geheilt von jeder Scham.  „Ja, du Micky-Maus ich kann gerade nur schnell gehen. Sei froh, das ich das ohne Stöcke mache du Fair Play Antithese.“

Ich bin eine kühle Brise, wiederhole mein Mantra laß sie überholen, laß sie überholen und lächle. Irgendwann… Irgendwann, treffe ich euch wieder…

Nach der vorvorletzten Akupunktur steige ich heute völlig verstrahlt in die falsche Bahn, merke es nach drei Haltestellen und will mit einem Wechsel auf den Bus die Route korrigieren. Kann ja mal passieren. Ich steige aus und laufe zur Bushaltestelle in ca 200 Meter Entfernung. Bereits nach zwei Schritten sehe ich meinen Bus im Augenwinkel und renne. Renne wie eine Bekloppte. Der Rucksack scheppert auf dem Rücken, die iPod Stöpsel fliegen aus den Ohren, die Ballerinas platschen auf den Teer.

Dieser Bus überholt mich nicht! Nicht heute! Ohne Mühe fliege ich über den Bürgersteig, das Motorengeräusch im Nacken. Noch 10 Meter, der Bus zieht langsam an mir vorbei. Endspurt! Der Fahrer macht nur vorne auf. Schneller! Mit Siegermiene springe ich in die Tür und funkel den Busfahrer aus kämperischen Augen an. Nicht schlecht brummelt der nicht schlecht. Drinnen werde ich von drei klatschenden Damen begrüßt.

Besser als jeder Volkslauf.

Am Freitag wäre vor meiner Haustür ein 10 Km Volkslauf. Meine Expertenrunde läuft. Ich hab es mir schon vor Monaten in den Kalender geschrieben. Aber Rücken und Knie mucken heute immer noch. Das ist die Quittung vom doofen Lauf.  Schade.

Wenn ich aber etwas im letzten halben Jahr gelernt habe, dann, dass ich mir mit gegen den Schmerz laufen und tapfer sein, 4 Wochen Pause einbrocke. Ich will nicht wieder zurückgeworfen werden. Ich will nicht wieder 5 Minuten laufen und dann abrechen. Will im Hochsommer keine Wärmesalbe auf den Rücken schmieren.

Den Leuten um mich herum gelingt dieses Pensum. Es ist Ihnen in ihrer ersten Saison gelungen. 25 Jahre älter und auf 10 km 6 Minuten schneller. Und auf den langen Distanzen unerreichbar. Anstatt mich aber auf mein Ziel im Oktober zu fokussieren, bleibe ich immer wieder bei den Volkslaufergebnissen hängen. Völlig bekloppt! Warum kann ich nicht umschalten? Von schneller! schneller! auf weiter! weiter! Warum diese Wettkampfgedanken? Muss ich mir jetzt die 10 km Läufe verbieten, obwohl sie mir so viel Spaß machen? Keine Schulumkleidekabinen, kein lauwarmer Zitronentee, kein Fantakuchen mehr? Eine Entscheidung steht an.