Mein Ausflug aufs Land zum Aqua-cycling war sehr speziell! In letzter Minute stehen wir in Badeanzügen im Schwimmbad und blicken auf ein Becken voller, sagen wir einfach sehr großer Frauen. Alle Blicke auf uns. Alle Bewegungen frieren ein. Wir stören. Ähm, tschuldigng…. Wir sind aber doch richtig, oder? Heute ist doch Montag? Wir wurden doch eingeladen von einer Läuferin? Da ist sie ja. Gott sei Dank! Sie steht im Laufdress am Beckenrand, und turnt vor. Wir sollen ins Wasser. Husch! Husch! Im Wasser kein bekanntes Gesicht und – viel auffälliger – keine Fahrräder!

Was ist das denn hier?
Na, das CircleTraining im Wasser.
Aqua-Cycling?
Ne, ne. Zirkeltraining.

Ich suche den Blick meiner Begleiterin, sie guckt auf die Wasseroberfläche und murmelt was von verhört und schlechte Aussprache… Egal, wir sind hier. Jetzt wird mitgemacht. Zu Anton aus Tirol und Karneval Einheizer wie Hände zum Himmel und Rotes Pferd müssen wir im Wasser laufen, dehnen und hüpfen. Viele Elemente des Lauf ABCs entdecke ich wieder. Es macht Spaß und ist gar nicht so ohne. Wenn man es erst nimmt und sich bewegt. Viele der Frauen halten sich aber eher an das Prinzip einweichen, statt bewegen. Der klassische Trugschluss: Ich war ja da, es war also Sport. Beim nächsten Adipositas-Treffen aber auf dicke Hose machen. (Achtung Wortspiel) Nach 30 Minuten ist schon Schluss, schade. Wir müssen heute noch keine 2 Euro bezahlen, das war unser Schnupperkurs. Das Prinzip Lauf ABC im Wasser ist aber ausbaufähig. Ich hatte den Foto mit, habe mich aber nicht getraut Bilde zu machen. Mit den Frauen, wollte ich keinen Streit anfangen.

Bei der Trainingsanzug Probe im Anschluss ernten wir Stirnrunzeln. Egal. Gegen diese Anti Haltung verteidige ich auch unsere Wassergymnastik. Ich wollte meinen wunderbaren, alle Erwartungen übertreffenden Anzug gleich einpacken, was natürlich ein Fehler war.

Der muss doch noch zum Flockmeister. Siehst du denn nicht, das da noch nichts draufsteht?
Nö, nicht drauf geachtet. (Ich gehe ja auch zur Wassergymnastik)

(
seufz) Ich war übrigens gerade 1 1/2 Stunden laufen.
Na, das ist doch schön.

Natürlich höre ich hier einen Vorwurf, natürlich formuliere ich in Gedanken vernichtende, bösartige, scharfe, giftige Antworten- schaffe es aber mich zu zügeln, streichel den Anzug zum Abschied noch mal und gehe.

Ich war gestern übrigens 5 Stunden am Edersee wandern und habe mir mit meinem Mann danach eine ganze, frische Lachsforelle mit selbstgebackenem Brot und frischer, selbstgemachter Kräuterbutter geteilt. Und dann habe ich noch einen Award bekommen! Was der bedeutet und wo er herkommt habe allerdings nicht rausgefunden. Vielleicht kann mir das noch jemand erklären. Egal. Ich sage Danke Feronia fürs Aufmuntern und vergebe ihn schnell stellvertretend für meine treue Kommentatoren weiter an:

Hannes > weil bei ihm gerade alles Rosarot zu sein scheint.

Matthias > Weil er sich für uns Leser immer den A. aufreißt und den Foto mitschleppt.

Wenn ihr ihn auch schon habt, dann hat sich der Kreis eben hier geschlossen. Es ist eine rosa Herz mit Teddy – Egal, oder? Es ist jetzt eben so.



Advertisements

Heute war doch schon wieder Akupunktur. Diesmal habe ich mich bei den Wochen verzählt, nicht bei den Runden. Also gleich die Gelegenheit genutzt und um Wunderheilung gebeten:

Ich: Kann ich jeden Tag kommen?
Arzt: Nein.
Ich: Kann ich noch mal Spritzen bekommen?
Arzt: Nein.
Ich: Kann ich was anderes machen?
Arzt: Nein. Hier gilt wie so oft: Viel hilft nicht viel. Es darf sich keine Gewöhnung einstellen. Wir haben gerade mal die Hälfte. Kommen sie diese Woche noch zwei Mal. Machen sie Aqua-jogging, fahren sie Fahrrad. Tschüss, bis Übermorgen.
Ich: Manno.

Also gut. In der Stadt der Arbeitswoche habe ich jetzt Dienstags einen Kurs für Aqua-jogging rausgesucht und heute probiere ich Aqua-Cycling aus. Das macht der Brudersportverein meines Sportvereins und wir dürfen da auch hin. Mal gucken. Heute geht es, ich habe ja Urlaub. Ich bin gespannt – auf Fahrräder im Wasser, auf die Leute auf Fahrrädern im Wasser und auf den Effekt. Außerdem sind die Trainingsanzüge da.

Vorgestern sind wir 55 Km Fahrrad gefahren. Eine Odyssee. Das war mit Sicherheit Deutschlands schlechtest ausgeschilderter Fahrradweg. Mindestens 10 zusätzliche Km Verfahrerrei habe ich nicht mitgezählt. Die gelangweilte Dorfjugend findet es auch 2009 noch lustig Schilder zu verdrehen. Hallo? Haben die keine Spielkonsole? Das haben wir früher gemacht. Also bitte!

Ging oft querfeldein, oft steil bergauf, oft lang gegen den Wind. War toll! Geht immer leichter. Beim Fahrradfahren gilt nämlich doch: viel hilft viel.

Ich weiß nicht womit es angefangen hat. Vielleicht mit Jugend trainiert für Olympia im Geräteturnen in der Mittelstufe.  Wir habe da immer im unteren Drittel herumgelungert. Gewonnen haben die selbstbewussten Turnerinnen des altsprachlichen Traditionsgymnasiums. Die hatten alle einheitliche enge Turnanzüge (diese Badeanzüge mit langen Ärmeln) und ballonseidene Jacken mit Schulwappen. Wir Provinzgesamtschüler mussten unsere verfusselten schwarzen Turnhosen und ausgeleierte weiße T-Shirts tragen, auf denen das verblasste Schulwappen aufgebügelt war. Unsere schlechte Platzierung – das war uns sonnenklar – lag ausschließlich an der mangelhaften Kleidung. Seid diesen Tagen sind Gemeinschaft generierende Trainingsklamotten mein liebster Fetisch. Seid diesen Tagen warte ich darauf endlich einmal so etwas zu besitzen. Ich stelle mir das vor wie eine Rüstung, die einen beschützt vor allerlei Unbill. Denn ein Trainingsanzug mit Aufdruck steht immer für eine Gruppe, für viele Gleichgesinnte die an einem Strang ziehen. Lieber keinen Streit anfangen mit denen. 

Ich komme auf sieben Sportvereine in meiner Vergangenheit aber keine Mitgliedschaft hat mich bisher mit einer Vereinskleidung beglückt. Volleyball habe ich in einer Herrenmannschaft gespielt, besser nur trainiert, weil es ja eine Herrenmannschaft war. Die hatten Trikots aber nur fürs Spiel. Beim DLRG hatten wir noch nicht mal einheitliche Bademützen, das einjährige Gastspiel beim Jiu Jitsu zog zwar den obligatorischen weißen Anzug nach sich – war aber auch nicht das gelbe vom Ei. Der alternative Reitverein verweigerte sich jeglicher traditioneller Reitkleidung und verteufelte Konformismus. Eigentlich machte mir das die Mitgliedschaft leichter, denn Vollversammlungen, Spalier stehen, Nudelsalat mitbringen und Gruppendynamik sind nicht so meins. Das Vereinsleben abseits des wöchentlichen zusammen Sport machen ist ein rotes Tuch für mich. Aber der Trainingsanzug lockt nach wie vor.

Aus nostalgischen Gründen bin ich im Frühjahr in den Sportverein meines Heimatdorfes eingetreten. Aus Jux und Dollerrei, und weil ich es witzig fand, bei den Volksläufen den Namen des Dorfes hinter meinem Namen zu lesen. Es ist ein Turn-, Sport- und Gesangsverein mit gefühlten 50 aktiven Fußballern, 30 aktiven Bänkelsängern und 7 Läufern (mit mir). Eigentlich sind es nur drei Familien. Ich fand das witzig. Trainiert wird zusammen mit einem größeren Laufreff aus dem Nachbarort. Ohne mich, ich wohn da nicht. Wir fahren zusammen zum Volkslauf und ich bekomme Tips. Leider meistens Ansagen, die mich stressen. Die im krassen Gegensatz zu meinem Gefühl oder zu den Aussagen meine Arztes stehen. Meistens haben sie mir schneller, weiter und trotzdem zu tun.  Mein Trainingsplan ist aus dem www, ab und zu, wenn es passt, dann machen wir einen langen Lauf zusammen. Wenn ich laufen kann. Was nach deren Einschätzung eigentlich immer ist, weil das komische Zipperlein nicht gilt.

Sechs der Sieben Läufer haben viel Erfahrung, zahlreiche Marathons in den Knochen, unzählige Verletzungen überstanden und mindestens vier von Ihnen laufen mich in Grund und Boden. Wenn ich dann nicht mache, was sie mir raten, weht meistens ein eiskalter Wind durch meine Beitrittserklärung und alles ist auf einmal überhaupt nicht mehr Ironie tauglich. Dann wird mir wieder klar warum mir das dort mit 19 zu eng geworden ist und ich – nicht ohne Groll – ausgezogen bin. Dann sehe ich auf einmal nur noch Nudelsalat und Bericht des Kassenwarts und Hecke schneiden und Sippenhaft. 

Soweit so einfach zu lösen: einfach wieder austreten. Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit. ABER: Jetzt werden Trainingsanzüge bestellt. Subventioniert vom Verein. Weil die Fußballer ja auch welche haben. Nach jahrelangem Hick Hack kriegt die Läufersparte auch Anzüge. Und ich – durch puren Zufall – mittendrin. Ist schon bestellt. Sieht gar nicht mal schlecht aus im Katalog. Das ist doch ein Zeichen! Das kann ich doch nicht einfach ignorieren! Da muss ich doch jetzt tapfer sein und einfach dran bleiben und grinsen und danke für den Tip sagen und mein Ding machen. Geht das noch als Pragmatismus durch oder sitze ich da mitten drin im  Opportunismus? 

Heute bin ich übrigens gelaufen. Erst eine Stunde Übungen dann eine halbe Stunde laufen mit den neuen Schuhen. Tip Top. Keine Klagen. Kleine Runde, ohne Ehrgeiz. Am Freitag möchte ich gerne wieder meine normale Runde laufen. Eine Stunde langsam und gemütlich. Und wenn das nicht klappt, muss ich mich an den Gedanken gewöhnen mich umzumelden. Dann wird aus dem Marathon eben ein Halbmarathon. Aber gelaufen wird. Weil es nämlich sehr viel Spaß macht, wenn es klappt.

Ein Opportunist ist ein „Jenachdemer“.  (Wilhelm Busch)